Hunger, Krieg und Seuchen – für die meisten Anleger ist Afrika der verlorene Kontinent. Die Realität sieht anders aus. Bewaffnete Konflikte gab es in den vergangenen Jahren nur in
wenigen Ländern. Dafür wuchs die Wirtschaft in den Staaten südlich der Sahara nach einer neuen Studie der Weltbank 2010 und 2011 mit 4,8 beziehungsweise 5,1 Prozent deutlich stärker als in Europa und Nordamerika. Im neuen Jahr soll die Konjunktur der Prognose zufolge mit 5,7 Prozent noch kräftiger zulegen.
Einer der großen Profiteure sind Mobilfunkanbieter. Außerhalb der Großstädte gibt es kaum Festnetzverbindungen. Mit dem Wirtschaftsaufschwung steigt aber die Kaufkraft der
Verbraucher und damit auch die Nachfrage nach mobilen Telekommunikationsdienstleistungen.
„Afrikas Mobilfunkmarkt wird in den nächsten
Jahren rapide wachsen“, prognostiziert
die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Ernst & Young in einer Studie.
Die beiden größten Gesellschaften
haben bereits in den vergangenen
Jahren massiv zugelegt. Die südafrikanische
MTN Group steigerte von
Januar 2008 bis Juni 2011 die Zahl ihrer
Kunden um 148 Prozent von 61,4
auf 152,3 Millionen. Im ersten Halbjahr
2011 erzielte die Gesellschaft
einen Umsatz von 56,5 Mio. Rand
(5,33 Mio. Euro) bei operativen Kosten
von nur 31,3 Mio. Rand. MTN betreibt
Mobilfunknetze in zahlreichen
Staaten Süd-, West- und Ostafrikas
sowie im Iran und in Afghanistan. In
zwölf Ländern bietet die Gesellschaft
inzwischen „Mobile Money“ an. Die
Teilnehmer können bargeldlos mit
dem Handy einkaufen. Dies schätzen
insbesondere Verbraucher und Händler
in von hohen Kriminalitätsraten
geplagten Großstädten. Die Mehrheit
der Analysten geht davon aus, dass
MTN weiterhin rapide wachsen und
die Aktie steigen wird. Nach einer
Reuters-Auswertung haben aktuell
acht Beobachter die Aktie mit „aggressiv
zukaufen“, sechs mit „kaufen“
und nur einer mit „halten“ eingestuft.
Der zweitgrößte Mobilfunkanbieter
Afrikas ist die auch in Lateinamerika
operierende Firma Millicom International
mit Sitz in Schweden. Sie steigerte
von Oktober 2010 bis Ende September
2011 die Zahl ihrer Kunden um
13 Prozent auf 42,2 Millionen. Der Umsatz
stieg im selben Zeitraum ebenfalls
um 13 Prozent auf 1,15 Mrd. Dollar
(884,6 Mio. Euro). Der freie Kapitalüberschuss
aus den operativen Erträgen
wuchs sogar um 58 Prozent auf 387
Mio. Dollar. Weil die Aktie seit März
2011 bereits um 27 Prozent gestiegen
ist, haben acht von 14 Analysten das
Papier aktuell mit „halten“ eingestuft.
Vier Beobachter bewerten den Wert mit
„outperform“, zwei mit „kaufen“.
Auch der französische Telekommunikationsgigant
France Telecom baut
sein Mobilfunknetz auf dem Kontinent
kontinuierlich aus, um angesichts der
gesättigten europäischen Märkte weiter
wachsen zu können. Inzwischen ist
die Gesellschaft in zahlreichen Staaten
der Sahelzone, in Ägypten und Tunesien
sowie in Botsuana, Kamerun, Kenia,
Madagaskar und der zentralafrikanischen
Republik aktiv. Vom nächsten
Jahr an will
France Telecom in Afrika
und Osteuropa Mobiltelefonverträge
mit unbegrenztem Zugriff auf Facebook
anbieten. Im dritten Quartal 2011
sank der Umsatz des Konzerns im Heimatmarkt
Frankreich gegenüber dem
Vorjahreszeitraum um 4,7 Prozent, in
Afrika hingegen wuchs das Geschäft
um 6,1 Prozent.
Obwohl die Dividendenrendite
beim gegenwärtigen Kursniveau
11,8 Prozent beträgt, stufen 18 Analysten
das Papier mit „halten“ ein. Nur
sieben Beobachter raten zum „Kauf“
der Aktie, sechs sehen den Wert als
„Outperformer“, und drei raten, die
Aktie zu „verkaufen“.
Empfehlen