Eigentlich ist die ehemals größte Sparkasse der USA, Washington Mutual, pleite und sollte vom Kurszettel verschwinden. Aber die Papiere werden noch rege gehandelt, und sind seit Jahresbeginn um knapp 100 Prozent gestiegen. Doch das könnte erst der Anfang sein…
Hand aufs Zockerherz: Würden Sie in eine Aktie investieren, die einen solchen Kursverlauf aufweist:
Wohl kaum. Aber vor allem in Deutschland wird derzeit über genau diesen Wert eifrig in den Foren geschrieben, und die Aktie kräftig gehandelt. Allein am 29. Januar wechselten 26 Millionen Aktien den Besitzer – bei einem Kurs von 0,15 Euro entspricht dies immerhin einem stolzen Volumen von rund vier Millionen Euro. Nicht schlecht für ein Unternehmen, das eigentlich pleite ist.
Genau das ist aber auch die Frage, die derzeit die Gemüter bewegt. Rückblick: Im September 2008, als das weltweite Finanzsystem auf der Kippe stand, hatte die US-Investmentbank
JPMorgan nach der Zerschlagung von Washington Mutual für wesentliche Teile der Sparkasse 1,9 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt. Viel zu wenig, meinen nicht nur die Aktionäre, sondern auch viele Experten. Der Fall wird inzwischen vor Gericht verhandelt – und Konkursrichterin Mary Walrath spielt die Hauptrolle. In einer ersten Anhörung hatte Walrath mit Blick auf den regen Handel der Aktien gesagt, dass Washington Mutual noch nicht „hoffnungslos insolvent“ sei.
Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat in der Zwischenzeit den Taschenrechner gezückt und kommt dabei auf ein erstaunliches Ergebnis. Demnach belaufen sich die gerichtlichen Forderungen von Washington Mutual auf 20 Milliarden Dollar, dem Verbindlichkeiten von nur acht Milliarden Dollar gegenüberstehen. Macht eine Differenz von zwölf Milliarden Dollar, auf die nun wiederum die Zocker spekulieren. Zudem soll sich
JPMorgan vier Milliarden Dollar an Bankeinlagen unrechtmäßig angeeignet haben. Verglichen mit der derzeitigen Marktkapitalisierung von 379 Millionen Dollar ergibt sich somit, zumindest theoretisch, ein gigantisches Kurspotenzial. Am 5. Februar steht nun eine weitere Anhörung vor dem Gericht an. Sollte sich Frau Walrath wieder recht zuversichtlich äußern, dürfte der Kurs erneut kräftig zulegen.
Wer mitzocken möchte, kein Problem - dass Börsenroulette hat weiter geöffnet. Charttechnische Marken haben bei solchen Werten natürlich kaum Aussagekraft. Steigt die Aktie über 0,30 Euro, ist der Weg zumindest nach oben hin frei. Stoppkurse können bei 0,09 Euro platziert werden. Besser ist es aber, den Einsatz gleich als Totalverlust abzuschreiben – dann ist die Freude bei einer positiven Überraschung um so größer.

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