Für Aufsehen sorgte eine Entscheidung des Aufsichtsrates von
MLP. Dieser hatte am gestrigen Montag eine außerordentliche Sitzung einberufen und beschlossen, die Ernst & Young Deutsche Allgemeine Treuhand AG zusätzlich als Konzernabschlussprüfer zu beauftragen.
Nach Ansicht des Aufsichtsrates solle der bisherigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rölfs & Partner im Zuge der Internationalisierung der
MLP AG ein international renommierter Partner zur Seite gestellt werden, teilte
MLP am Abend mit.
Ein zweiter Wirtschaftsprüfer deutete sich an, denn auf der Homepage von
MLP schreibt das DAX-Unternehmen in der Rubrik "Fragen und Antworten zu den Vorwürfen": "Im Rahmen unseres Wachstums über Deutschland hinaus steht es dem Aufsichtsrat frei, eine der ganz großen internationalen WP-Gesellschaften hinzuzuziehen."
Ernst & Young werden laut MLP-Vorstandschef Bernhard Termühlen beauftragt, "den Ansatz, Ausweis und Bewertungen der Abrechungen über die Rückversicherungsverträge...in der Rechnungslegung des Jahres 2001 im Rahmen eines ergänzenden Reviews zu prüfen."
Entgegen der ursprünglichen Ankündigung haben die Wirtschaftsprüfer KPMG und Deloitte & Touche einen überraschenden Rückzieher gemacht. Sie stünden wegen möglicher Interessenkonflikte nicht zur Verfügung, da KPMG die österreichische Leben-Tochter und Deloitte einen der Rückversicherer von
MLP prüfe, sagte eine Sprecherin von
MLP. Das Duo sollte zur Praxis der Rückversicherungsverträge Stellung nehmen.
Diese Aufgabe hat der Mannheimer Professor Peter Albrecht übernommen. Albrecht, selbst MLP-Aktionär, zeigte sich verärgert über die Berichterstattung von BÖRSE ONLINE und bezeichnete die Kritik an den Bilanzierungspraktiken von
MLP als ungerechtfertigt.
MLP-Vorstandschef Bernhard Termühlen appellierte unterdessen an die Aktionäre: "Bitte messen sie mich und meine Vorstandskollegen an unseren Zahlen und an der Realisierung unser positiver Prognosen und nicht an zweifelhaften, böswilligen Spekulationen und Unterstellungen."
Zudem bekräftigte Termühlen die bereits bekannte Prognose, dass Ergebnis vor Steuern in 2002 auf rund 195 Millionen Euro und 2003 auf 250 Millionen Euro steigern zu wollen.
BÖRSE ONLINE betont noch einmal: Die Rechtmäßigkeit der Bilanzierungsmethoden haben wir nie bezweifelt. Was bei jungen Lebensversicherungen zur Minderung der Verluste beiträgt, führt aber bei
MLP zu hohen Gewinnausweisen, die versteuert und ausgeschüttet werden.
Termühlen versucht Anlegern und Analysten weiszumachen, dass es keine Rückzahlungsverpflichtung gegenüber Rückversicherern gebe. Dennoch ist klar: Rückversicherer verschenken kein Geld. Wir bleiben dabei, dass die ausgewiesenen Rückversicherungserträge Darlehenscharakter haben. Wer Darlehen als Gewinne ausweist, versteuert und ausschüttet, lebt heute auf Kosten der Zukunft.