Auf den ersten Blick sehen die Quartalszahlen des Labordienstleisters Eurofins Scientific wenig berauschend aus. Der operative Gewinn nahm im dritten Jahresviertel 2006 nur um sieben Prozent auf 7,7 Millionen Euro zu. Das Ergebnis je Aktie ging sogar von 28 auf 25 Cent zurück.
Hinter der relativ schwachen Ertragsentwicklung steckt eine modifizierte Akquisitionsstrategie. Bisher haben die Franzosen überwiegend profitable Firmen übernommen. Jetzt werden zunehmend auch Unternehmen mit roten Zahlen geschluckt. Denn die Konsolidierung beschleunigt sich: „Wir wollen die Chance nutzen, Marktanteile zu gewinnen“, betont Finanzvorstand Matthias-Wilbur Weber im Gespräch mit BÖRSE ONLINE. Zumal die ertragsschwachen Firmen günstig zu kaufen sind.
Um die Belastung durch Akquisitionen zu quantifizieren, weist Eurofins separate Ergebnisse aus für die Alt-Firmen und die Unternehmen, die sich noch „in Entwicklung befinden“. Letztere brachten in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres 58 Millionen Euro Umsatz und fünf Millionen Euro Verlust. „In zwei bis drei Jahren sollen die neuen Gesellschaften bei der Profitabilität den Gruppenstandard erreichen“, versichert Weber.
Die Sorge, dass auf Nettoebene zunächst eine Phase der Ertragsstagnation droht, weist der Finanzvorstand zurück. Im nächsten Jahr werde der Gewinn je Aktie zunehmen. Ob das auch 2006 der Fall sein wird, bleibt dahingestellt. Nach neun Monaten steht nur ein leichtes Plus von zwei auf 63 Cent zu Buche. Vor dem Hintergrund reduziert BÖRSE ONLINE die Schätzung für 2006 auf 0,93 Euro je Aktie. Für 2007 rechnen wir jetzt mit 1,50 Euro.
Die Umsatzprognose heben die Franzosen abermals an. Die Messlatte für 2006 liegt jetzt bei 345 Millionen Euro. „Damit haben wir die Erlöse in nur zwei Jahren verdoppelt“, sagt Weber. Das Ziel für 2007 wird auf 420 Millionen Euro erhöht. 2008 dürfte dann die Marke von einer halben Milliarde Euro erreicht werden, bestätigt Weber auf Nachfrage.
Trotz der deutlich von 31 auf 22,6 Prozent gesunkenen Eigenkapitalquote plant der Finanzchef keine Kapitalerhöhung. Denn es gebe bei den übernommenen Firmen noch Spielräume für eine Verringerung der Kapitalbindung. Zudem soll das Eigenmittelkonto weiter durch Thesaurierung von Gewinnen aufgefüllt werden. Die Zahlung einer Dividende steht damit vorerst nicht an.
Der Aktienkurs hat seit Frühjahr 2006 kaum noch Terrain gewonnen. Allerdings ging der Seitwärtsbewegung ein fulminanter Anstieg in den beiden Vorjahren voraus. Kurzfristig rechnen wir nicht mit einem neuerlichen Aufwärtstrend, zumal die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut 30 für 2007 üppig bewertet ist. Dennoch sollten längerfristig orientierte Anleger dabei bleiben. Denn das forcierte Wachstum wird über kurz oder lang auch die Ergebnisse voranbringen.
Diesen Artikel bookmarken bei...