Ein Wechselbad der Gefühle durchlebten
die Aktionäre von Bauer im
vergangenen Herbst: Am 31. Oktober
musste der Tiefbauspezialist aufgrund
von Verzögerungen bei Großprojekten
und den Entwicklungen in den
Krisenregionen des Nahen Ostens die
Prognose für 2011 senken. Demnach
wurden für die Gesamtleistung etwa
1,35 Mrd. Euro und für den Gewinn
nur noch gut 30 Mio. Euro veranschlagt.
Zuvor hatte der Konzern noch
eine Gesamtleistung von 1,35 bis
1,4 Mrd. Euro und einen Überschuss
von 40 Mio. bis 45 Mio. Euro in Aussicht
gestellt.
Die Umsatz- und Gewinnwarnung
traf die Börsianer gänzlich unvorbereitet,
wie der Kurseinbruch von fast
22 Prozent nach der Bekanntgabe der
Prognose zeigt. Doch nur drei Tage
später machte die Notiz fast sämtliche
Verluste mit einer äußerst positiven
Nachricht wieder wett: Nach mehr
als zweijährigem Bieterwettstreit mit
dem italienischen Wettbewerber
Trevi konnte sich Bauer mit der irakischen
Regierung auf einen möglichen
Auftrag für das Sanierungsprojekt am
Mossul-Damm im Norden des Irak einigen.
Mit einem Volumen von insgesamt
1,9 Mrd. Euro und einer geplanten
Bauzeit von etwa sechs Jahren
wäre das der bislang größte Auftrag
der Unternehmensgeschichte. Vorbehaltlich
der Vereinbarung weiterer
Vertragsdetails rechnet Bauer mit der
konkreten Auftragsvergabe im ersten
Halbjahr 2012.
Doch auch ohne das Damm-Großprojekt
ist Bauer gut gerüstet. Der international
tätige Konzern, der in der
Entwicklung und Herstellung von
Spezialtiefbaugeräten weltweit an der
Spitze liegt, verfügte per Ende September
2011 über ein prall gefülltes
Auftragsbuch von 740 Mio. Euro. Damit
dürfte für Bauer eine dreijährige
Phase sinkender Gewinne zu Ende gehen.
„Der hohe Auftragsbestand lässt
für 2012 und die Folgejahre bei der
Gesamtkonzernleistung Wachstumschancen
von jährlich fünf bis zehn
Prozent erwarten“, sagte der Vorstandsvorsitzende
Thomas Bauer.
„Dabei sind die Chancen durch das
mögliche Sanierungsprojekt am Mossul-
Damm im Norden des Irak noch
nicht berücksichtigt.“
Zu möglichen Ergebnisauswirkungen
des Megaprojekts möchte sich der
Vorstand erst nach der endgültigen
Vertragsunterzeichnung äußern. Analyst
Marc Gabriel vom Bankhaus
Lampe geht davon aus, „dass die kalkulierten
Margen deutlich über den jeweiligen
Zielmargen liegen dürften,
um die Risiken dieses Mammutprojekts
entsprechend zu berücksichtigen.“
Im Segment Bau, das für rund
40 Prozent der Konzernerlöse steht,
hat sich Bauer eine Marge auf Basis
des Gewinns vor Zinsen und Steuern
(Ebit) von fünf bis sechs Prozent vorgenommen.
In der Sparte Maschinen,
ebenfalls für 40 Prozent des Umsatzes
verantwortlich, liegt das Ebit-Margenziel
sogar bei 13 bis 15 Prozent.
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