Der Baukonzern plant ein überproportionales Gewinnplus für 2010. Der Konzernchef Herbert Bodner hält die finanziellen Folgen der jüngsten Mängelserie für überschaubar.
BILFINGER & BERGER
Veränd. z. Vortag
-0,12 %
Mehr zum Thema
Trotz der Diskussion um Qualitätsmängel will der Baukonzern Bilfinger in diesem Jahr überproportionale Gewinne erwirtschaften. "Unser Geschäftsmodell und die eingeschlagene strategische Richtung sind wetterfest", sagte Vorstandschef Herbert Bodner gestern in Mannheim. Der zweitgrößte deutsche Baukonzern steckt in einem strategischen Umbruch. Bodner stutzt das klassische Baugeschäft durch die Trennung von der Australientochter BBA, während baunahe Dienstleistungen - vom Betreiben von Gefängnissen bis zur Wartung von Chemieanlagen - künftig das Geschäft dominieren sollen. Internationale Konzerne wie
Vinci in Frankreich und die britische Balfour Beatty gehen einen ähnlichen Weg.
Mitten in diesem Schwenk traf das Unternehmen starke Kritik, nachdem Mängel an U-Bahn-Bauten in Köln und Düsseldorf sowie beim Bau der A 1 zwischen Hamburg und Bremen bekannt geworden waren. Künftig werde
Bilfinger Berger den Risiken dieser traditionellen Großprojekte weniger ausgesetzt sein, so Bodner. Ihr Volumen soll von mehr als 5 Milliarden Euro auf rund 2 Milliarden Euro zurückgefahren werden.
Mittelfristig soll der Anteil des Ergebnisses vor Steuern und Zinsen am Umsatz dank der margenstärkeren Dienstleistungen auf mindestens vier Prozent wachsen. 2009 waren es 2,4 Prozent. Die finanziellen Folgen der aktuellen Pannenbaustellen habe der Konzern unter Kontrolle, versicherte der Konzernchef. Die Kosten der notwendigen Fahrbahnerneuerung auf acht Kilometern der A 1 mit lärmminderndem Asphalt bezifferte er auf nur 2,5 Millionen Euro. Inwieweit sie das Konsortium, an dem Bilfinger zu 45 Prozent beteiligt ist, oder der Asphaltlieferant zu tragen hätten, stehe noch nicht fest. In Köln und Düsseldorf werde der Konzern die Kosten der Nachbesserung tragen müssen, die zweistellige Millionenhöhe erreichen könnten. Bodner sagte, dass der Konzern gegen weitere Schäden ausreichend versichert sei. Für angebliche Mängel an der ICE-Strecke Nürnberg-Ingolstadt gebe es bis auf die Aussage eines Ex-Mitarbeiters keine Hinweise. "Das ist eine mängelfreie Leistung."
Alles in allem gehe es um Beträge, die das Ergebnis nicht nennenswert beeinträchtigten. "Für 2010 rechnen wir mit einer Zunahme der Leistung und einer überproportionalen Steigerung von Ebit und Konzernergebnis", erklärte der Konzernchef. Auf vergleichbarer Basis 2009 - also ohne den Bau in Australien - bedeutet dies eine Leistung von mehr als 7,7 Milliarden Euro und ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen deutlich über 173 Millionen Euro.

Die Investoren zeigten sich zunächst wenig beeindruckt. Unmittelbar nach den Ankündigungen sank der Kurs der Bilfinger-Aktie sogar geringfügig. "Die Ereignisse der letzten Wochen haben sich auf den Kurs ausgewirkt", musste Bodner eingestehen. Bei den Investoren sei Vertrauen verloren gegangen.
Der geplante Verkauf der Bauaktivitäten in Australien leide darunter nicht, versicherte Finanzchef Joachim Müller. Der Konzern verfolge weiterhin sowohl die Option eines Börsengangs als auch eines Verkaufs an Investoren. "Drei bis vier potenzielle Interessenten haben sich gemeldet", sagte Müller. Der Deal solle bis Juni oder Juli abgeschlossen sein.
Analysten hatten den Wert der Beteiligung, die bei einem Erlös von 2,7 Milliarden Euro ein Ebit von 77 Millionen Euro erzielt, auf 600 Millionen Euro geschätzt. Ein Teil würde den Gewinnim Geschäftsjahr 2010 aufstocken, den Großteil will Bodner jedoch für den Kauf von Firmen ausgeben, um die Dienstleistungssparten weiter zu stärken.
Diesen Artikel bookmarken bei...