Nach einem Schreckensjahr strotzt der deutsche Autobauer vor Kraft. Die Stuttgarter schrauben ihre Gewinnerwartung für 2010 auf 6 Mrd. Euro nach oben - vor allem dank der Kernmarke Mercedes. Anleger sind dennoch enttäuscht.
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Der Autobauer
Daimler kommt aus der Krise und steckt sich angesichts der unerwartet schnellen Branchenerholung höhere Ziele. "Wir rechnen für das Jahr 2010 mit einem deutlichen Umsatzanstieg und streben ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) aus dem laufenden Geschäft von 6 Mrd. Euro an", kündigte Konzernchef Dieter Zetsche am Dienstag an.
Daimler hatte seine Prognose bereits Mitte Juli zum zweiten Mal in diesem Jahr nach oben geschraubt und von deutlich mehr als 4 Mrd. Euro Gewinn gesprochen. Im Jahr 2009 stand bei den Schwaben ein EBIT-Verlust von 1,5 Milliarden Euro in der Bilanz. Besonders gut entwickelte sich die Pkw-Sparte.
Die Aktie notierte dennoch zeitweise mit 2,3 Prozent im Minus, nachdem sie im Tagesverlauf schon im Plus notierte. "Einige Investoren hatten wohl auf eine positive Überraschung gesetzt. Nachdem das ausgeblieben ist, bauen sie ihre Bestände wieder ab", sagte ein Händler. Auch andere Autotitel verloren.
Für das zweite Quartal meldete
Daimler ein Ebit von 2,1 Mrd. Euro. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 1 Mrd. Euro angefallen. Der Umsatz stieg von 19,6 Mrd. Euro auf 25,1 Mrd. Euro. Der Barmittelzufluss habe sich deutlich auf 2,5 Mrd. Euro erhöht.
Autoprofessor Stefan Bratzel vom Center of Automotive der Fachhochschule in Bergisch Gladbach sieht den Konzern nun auf einem guten Weg. "
Daimler hat zu spät auf die Krise reagiert. Nun haben sie aber mit einer schwäbischen Gründlichkeit Kosten reduziert", sagte er der FTD. Die Stuttgarter profitierten nun von "einer guten Kostenstruktur und vom günstigen Dollar-Euro-Verhältnis".
"Nach überwundener Krise geht der Daimler-Konzern gestärkt in den Kampf um die Führung im weltweiten Premium-Automobilmarkt", schrieb Nord/Lb-Analyst Frank Schwope. "Bereits im ersten Quartal 2010 habe die Pkw-Sparte eine Ebit-Marge von 7 Prozent erreicht und damit die Werte von Audi und
BMW üertroffen. Im zweiten Quartal habe die Marge sogar bei 9,8 Prozent gelegen.
Zetsche sagte, Absatz und Umsatz entwickelten sich in allen Geschäftsfeldern sehr dynamisch. "Nach einem bereits guten ersten Quartal konnten wir nun im zweiten Quartal ein exzellentes Ergebnis erwirtschaften." Wesentliche Faktoren waren boomende Absätze vor allem in China und den USA, höhere Preise sowie mehr teure Extras. Auch andere Geschäftsfelder wie Lastwagen entwickelten sich positiv und verbesserten den Gewinn. Der weltweite Absatz von Autos und Lkw erhöhte sich im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresniveau um 27 Prozent auf 496.500 Fahrzeuge.
Das Daimler-Herzstück, die Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars, meldete sich im zweiten Quartel besonders stark zurück. Nach einem EBIT- Verlust von 340 Mio. Euro im Vorjahr gab es einen operativen Gewinn von 1,4 Mrd. Euro. Die Lastwagensparte
Daimler Trucks fuhr operativ von minus 508 auf plus 300 Mio. Euro. Auch die übrigen Bereiche mit Bussen, Transporter sowie die Finanzdienstleistungen lieferten zwischen April und Juni positive Zahlen.
Auch Konkurrent Audi äußerte sich zuversichtlich. "Wir sind positiv überrascht, wie wir ins Jahr 2010 gestartet sind. Wir haben das Ergebnis im ersten Halbjahr sehr deutlich übertroffen", sagte Vorstandschef Rupert Stadler am Montagabend in München. "Da wird uns auch ein gutes zweites Halbjahr gelingen."
Konkrete Zahlen für das erste Halbjahr werden die Ingolstädter am Freitag vorlegen, Konzernmutter
Volkswagen bereits am Donnerstag. Dann will Audi auch seine Absatzprognose für 2010 präzisieren. Einstweilen bekräftigte Stadler lediglich, dass die Million deutlich übertroffen, und der Rekord aus dem Jahr 2008 in den Schatten gestellt werde. Im vergangenen Jahr waren die Verkaufszahlen auf 950.000 zurückgegangen.
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