Der weltweit zweitgrößte Druckmaschinenhersteller Manroland hat eine Großfusion für absehbare Zeit ad acta gelegt. Dafür haben die negativen Erfahrungen bei den Verhandlungen mit Heideldruck gesorgt.
Dass vormals Pläne für einen Zusammenschluss mit Branchenführer Heideldruck durchgesickert waren, hatte für das Unternehmen laut Vorstandschef Gerd Finkbeiner fatale Folgen. „Wir können beurteilen, dass uns das geschäftlich als kleinerem der beteiligten Partner extrem geschadet hat“, sagte Finkbeiner im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). Der Juniorpartner bekomme in solchen Fällen wegen der Kundenverunsicherung Probleme.
Gespräche über eine Elefantenhochzeit in der Branche waren 2009 und 2010 bekannt geworden. Treibende Kraft waren dem Vernehmen nach die Großaktionäre: Manroland gehört zu 65 Prozent dem Investor
Allianz Capital Partners; dessen Mutterkonzern
Allianz ist mit zwölf Prozent an
Heidelberger Druck beteiligt.
Normalerweise wäre ein Zusammenschluss zweier Marktführer kartellrechtlich bedenklich; Manroland und
Heidelberger Druck beherrschen beispielsweise rund die Hälfte des Weltmarkts bei Bogendruckmaschinen. Doch die Branche hatte nicht nur wegen der allgemeinen Wirtschaftsflaute Verluste angehäuft – sondern steckt wegen sinkender Nachfrage nach Printprodukten in einer strukturellen Krise. Um sie in Deutschland zu erhalten, hätte die Politik eine Fusion daher möglicherweise befürwortet.
Doch nun will Manroland „stand-alone“ weiterfahren, wie Finkbeiner sagte. Brancheninterne Zusammenschlüsse kämen momentan nicht infrage. „Fusionen sind nicht aktuell.“ Dass ein Druckerhersteller wie
Hewlett-Packard einen klassischen Maschinenbauer übernähme, sei auch illusorisch. Und für einen Gang an den Kapitalmarkt – den Notausgang für einen Finanzinvestoren – ist es nach seiner Einschätzung zu früh. „Wir wären für einen Börsengang noch nicht bereit“, sagte der Manager. Erst müsse Manroland dauerhaft wieder Gewinne schreiben. Die sind nach der Faustregel des Konzerns ab etwa 1 Mrd. Euro möglich.

Manroland streicht seit Jahren Kapazitäten und Stellen. Bis Frühjahr 2012 soll die ohnehin geschrumpfte Belegschaft um weitere 500 Stellen auf 6000 Jobs verkleinert werden. In Offenbach ist erst seit Anfang Juli die Kurzarbeit beendet, in Augsburg arbeiten die Beschäftigten noch immer fünf bis sechs Tage im Monat weniger als normal.
Das Niveau von vor der Krise wird die Branche nach den Worten des Manroland-Chefs nicht wieder erreichen. Immerhin lag Manrolands Auftragseingang im ersten Halbjahr um 13 Prozent über Vorjahresniveau, vor allem wegen starker Geschäfte in China. 2011 soll operativ – also ohne die Kosten des Umbaus – eine „schwarze Null“ ergeben.
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