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Fondsmanager Marc Faber im Interview Auf was der Börsenskeptiker setzt

[07:00, 07.11.09]

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Fondsmanager Marc Faber über die Gründe, warum ihm die US-Wirtschaft Sorgen macht, und welche Aktien er dennoch kauft.


Marc Faber

 Marc Faber

Marc Faber ist Herausgeber von „The Gloom, Boom & Doom Report“ www.gloomboomdoom.com). Der renommierte Fondsmanager hat mehrere Börsencrashs richtig vorhergesagt. BÖRSE ONLINE traf den Schweizer auf der CFA Institute European Investment Conference in Frankfurt.

Herr Faber, Sie sind eigentlich als Börsenskeptiker bekannt. Dennoch empfehlen Sie Anlegern seit März, Aktien zu kaufen. Erklären Sie uns bitte den Widerspruch.

Gerade weil ich wegen der Konjunktur so skeptisch bin, bin ich, was die Börse betrifft, positiv gestimmt. Schon seit Ende vergangenen Jahres weise ich darauf hin, dass eine schlechte Entwicklung der Wirtschaft nicht zwangsweise mit einer negativen Performance am Aktienmarkt einhergeht. Wegen der Rezession hat die US-Notenbank die Leitzinsen auf null gesenkt und die Regierung ein riesiges Konjunkturprogramm verabschiedet. Wenn die Überkapazitäten aber so groß sind wie derzeit, bauen die Unternehmen keine neuen Fabriken. Und die Verbraucher sparen, statt zu konsumieren. Wo soll die riesige Liquidität, die durch das Gelddrucken entsteht, also hingehen? Sie fließt in Anleihen, Aktien und Rohstoffe, also in die Spekulation. Wenn die Verzinsung bei Geldmarktfonds bei null liegt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Geld in Aktien strömt, relativ groß.

Das Gelddrucken belastet aber den Dollar. Seit März hat er um 20 Prozent gegenüber dem Euro abgewertet. Kann das noch lange so weitergehen, ohne dass es zu abrupten Bewegungen an den Märkten kommt?

Die Aussagen der Amerikaner, sie wären an einem starken Dollar interessiert, sind reine Lippenbekenntnisse. Der schwache Dollar verschafft den US-Firmen Vorteile, weil sie ihre Ware billiger auf dem Weltmarkt anbieten können. Und das, ohne die Kosten zu senken. Man kann sich auf diese Art und Weise aber nur kurzfristig Vorteile gegenüber anderen Ländern verschaffen. Langfristig kann man in einer Volkswirtschaft keinen Reichtum kreieren, indem die Währung abwertet. Ein schwacher Dollar deutet auf Inflation in der US-Wirtschaft hin. Die Geldentwertung muss sich nicht unbedingt nur in den Verbraucherpreisen zeigen. Auch steigende Preise bei Aktien und Rohstoffen können auf Inflation hindeuten.

Viele Experten erwarten eine v-förmige Erholung der Konjunktur. Was meinen Sie?

Ich sehe keine gewaltige Verbesserung. Vielleicht gelingt aber eine Stabilisierung für eine gewisse Zeit.

Was passiert, wenn in den USA die Wirkung der Konjunkturmaßnahmen nachlässt?

Das würde die Wirtschaft enorm belasten. Der S&P 500 ist seit dem März-Tief bei 666 Punkten auf aktuell 1080 Punkte gestiegen. Falls der Index bis auf 900 oder gar 800 korrigieren sollte, deutete das auf schwache Konjunkturdaten hin. Dann wird das nächste Konjunkturprogramm der Obama- Regierung kommen. Und die Amerikaner werden noch mehr Geld drucken. Nominell könnte der S&P 500 dann zwar steigen. Gleichzeitig sollte der Dollar aber weiter fallen. In einer Währung wie dem Euro gerechnet oder gegenüber Rohstoffen ist der Wertzuwachs des Index deswegen deutlich geringer. Der Goldpreis könnte kurzfristig nachgeben, eventuell bis auf 900 Dollar je Unze. Langfristig sind die Perspektiven für Gold jedoch hervorragend, denn während eine Menge Dollar gedruckt wird, bleibt das Angebot des Edelmetalls knapp.

Die Notenbank hat angekündigt, dass sie die Zinsen für eine lange Zeit sehr niedrig halten wird. Wie finden Sie diese Politik?

Nach dem Jahr 2001 hat der damalige Notenbankchef Alan Greenspan die Zinsen lange viel zu niedrig gehalten. Das hat zur Blase am Häusermarkt und zum starken Anstieg der Verschuldung geführt. Selbst wenn sein Nachfolger Ben Bernanke künftig die Zinsen anheben sollte, werden diese angesichts der hohen Arbeitslosigkeit nur sehr langsam steigen und immer noch niedriger liegen als die Inflationsrate. Das dürfte zur nächsten Blase führen, möglicherweise bei Aktien und Rohstoffen. Das Negative an dieser Politik ist, dass das Problem, das die Krise verursacht hat, nicht gelöst worden ist.

Der enorme Anstieg der US-Schulden ...

... ist Wahnsinn. Die Schulden von Privatleuten, Firmen und Staat insgesamt belaufen sich auf 375 Prozent im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt. Dabei sind Kosten aus dem Gesundheitssystem von 59 Billionen Dollar noch nicht eingerechnet. Das sind Leistungen, die den Amerikanern rechtlich zustehen, für die aber keinerlei Rücklagen gebildet worden sind. Angesichts des staatlichen Schuldenbergs kann Bernanke die Zinsen nicht stark erhöhen, weil die Zinsbelastung rasant steigen würde. Man kann das Problem der Überschuldung, worunter ein Großteil der US-Verbraucher leidet, nicht lösen, indem man noch mehr Schulden macht.


 

© 2009 boerse-online.de, © Illustration: Bloomberg

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