Das Kreditinstitut will
die Anleger des umstrittenen Lebensversicherungsfonds
Kompass Life 3
auszahlen und den Fonds auflösen.
Mit diesem Produkt konnten Anleger
auf die Lebenserwartung von Menschen
spekulieren. Das Abfindungsangebot
gilt für 10 000 Anleger, die
200 Mio. Euro investiert hatten.
Das Angebot reiht sich ein in die
Bemühungen von Ackermann, einige
Altlasten noch während seiner im Mai
endenden zehnjährigen Amtszeit aus
der Welt zu schaffen. Der Schweizer
will seinen Nachfolgern Anshu Jain
und Jürgen Fitschen nach eigenem
Bekunden ein geordnetes Haus hinterlassen.
Dazu gehören die jüngste
Einigung mit der Stadt Mailand über
umstrittene Zinswetten sowie die angestrebte
Einigung im Fall Leo Kirch.
Die Bank arbeitet nach fast zehn Jahren
gerichtlicher Auseinandersetzung
an einem Vergleich mit den Vertretern
des inzwischen verstorbenen
Medienunternehmers.
Im aktuellen Fall geht es um ein
fragwürdiges Beteiligungsangebot.
Der Kompass Life 3 ist einer von drei
US-Lebensversicherungsfonds der
Deutschen Bank, in die Anleger insgesamt
etwa 700 Mio. Euro einzahlten.
Anders als seine Vorgängerprodukte
handelte er jedoch nicht mit echten
Policen. Die Anleger investierten
stattdessen in ein Zertifikat, in dem
fiktive Versicherungen von 500 realen
Menschen verpackt wurden. Die Referenzpersonen
im Alter von 70 bis
90 Jahren wählte die Bank selbst aus.
Je eher sie starben, desto größer war
der Gewinn der Anleger. Je länger sie
lebten, desto mehr verdiente die Bank.
Als Basis für die Renditekalkulation
diente die von Gutachtern geschätzte
Restlebensdauer der Personen.
Kritik an dem Produkt kam selbst
aus der Branche. Das Fondskonzept
sei mit der Unantastbarkeit der
menschlichen Würde kaum in Einklang
zu bringen, empörte sich vor
wenigen Wochen die Ombudsstelle
des Bundesverbands deutscher Banken.
Als Grund für die Auflösung des
Fonds gab die
Deutsche Bank gestern
die „öffentliche Diskussion um die Berechtigung
des Produkts“ an.
Die betroffenen Anleger sollen in
den nächsten Wochen ein Schreiben
mit dem Rückkaufangebot erhalten,
wie eine Bank-Sprecherin sagte. Das
Institut will den Kapitaleinsatz komplett
erstatten, nach Abzug der bisher
erhaltenen Ausschüttungen. Ausgabeaufschläge
sind bei dem Fonds
nicht angefallen. Der Fonds wurde
2007 aufgelegt und sollte ursprünglich
noch bis 2015 laufen. Zum Ende
hätten die Anleger jedoch erhebliche
Verluste erwartet. „Es war bereits
absehbar, dass die Modellrechnungen
nicht aufgehen“, sagte Rechtsanwalt
Karl-Georg von Ferber. Die Deutsche
Bank habe mit veralteten Sterbetafeln
gerechnet und die Lebensdauer der
Referenzpersonen viel zu kurz eingeschätzt.
Von Ferber vertritt zahlreiche
Fondszeichner, die die
Deutsche Bank
auf Schadensersatz verklagt haben.
Ackermann will sich mit einem
besseren Image der Bank in der Öffentlichkeit
verabschieden. „Kein Geschäft
ist es wert, dafür den guten Ruf
aufs Spiel zu setzen“, hatte er erst
jüngst betont. So prüft die Bank derzeit
auch den Rückzug aus Spekulationen
mit Agrarrohstoffen. Während
die Verbraucherorganisation Foodwatch
Ackermann Wortbruch vorwirft,
ist die Entscheidung nach Angaben
eines Bank-Sprechers noch
nicht gefallen.
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