Die Aktie der Reederei bricht nach dem Untergang der „Costa Concordia“ um fast ein Drittel ein. Das Unternehmen war schon vor dem Unglück angeschlagen. Auch für die Versicherer wird es teuer.
Wenn irgendwo in der Welt ein Traumschiff auf Grund läuft, gibt es in Miami sofort Alarm. An der Ostküste Floridas, wo jährlich mehr Kreuzfahrtschiffe anlegen als irgendwo sonst, sitzt die
Carnival Corporation. Das amerikanisch-britische Imperium dominiert mit seinen zehn großen Tochtergesellschaften den Weltmarkt. Auch die italienische Reederei Costa Cruises mit dem Unglücksschiff "Costa Concordia" gehört zum Konzern. Die Kreuzfahrtlinie mit Sitz in Genua betreibt insgesamt 15 Schiffe und ist damit die größte in Europa.
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Das Geschäft mit den Kreuzfahrten ist das am stärksten wachsende in der gesamten Tourismusindustrie. Besonders große Chancen auf Wachstum sieht die Branche in Deutschland, wo zunehmend auch jüngere Passagiere für Kreuzfahrten gewonnen werden sollen. Bislang verbringen nach Angaben des Deutschen Reiseverbands lediglich 1,5 Prozent der Deutschen ihren Urlaub auf Kreuzfahrtschiffen. In Großbritannien sind es dagegen drei Prozent, in den USA sogar fünf.
Mit dem Unglück in Italien gerät diese Prognose nun vor allem in Europa in Gefahr. Potenzielle Passagiere dürften ihre Pläne infrage stellen. Reisende, die für künftige Fahrten auf der "Costa Concordia" gebucht haben, müssen entschädigt werden. Auf die Versicherungen, die nach dem Unglück für die Schäden der Passagiere und den Schaden am Schiff haften müssen, kommen Forderungen von mehreren Hundert Millionen Dollar zu. Allein der weltweit drittgrößte Rückversicherer
Hannover Rück muss einen Schaden von mindestens 10 Mio. Euro schultern. Eine Sprecherin sagte am Montag, das Schiffsunglück bedeute einen Großschaden für die
Hannover Rück.
Carnival bleibt nach eigenen Angaben auf einem Schaden von rund 85 bis 95 Mio. Dollar sitzen, allein schon weil das vor der italienischen Küste gesunkene Schiff voraussichtlich das ganze Jahr nicht einsetzbar sein wird - wenn es nicht sogar ein Totalverlust wird.
Carnival-Anleger reagieren geschockt
Die Märkte reagierten schockiert auf das Schiffsunglück vor der Toskana. An der Londoner Börse brachen die Papiere des Eigners in der Spitze um 29 Prozent ein und markierten ein Zweieinhalb-Jahrestief. Dabei wechselten binnen der ersten Handelsstunde fast vier Mal so viele Aktien den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag. Die Titel notierten im Verlauf noch knapp 18 Prozent im Minus.
Seit der Fusion der amerikanischen Carnival Corporation mit der britischen P&O Princess ist der Konzern doppelt gelistet: als US-Unternehmen in New York und als britisches Unternehmen in London. In Miami befindet sich die Hauptverwaltung, der offizielle Sitz ist aus steuerlichen Gründen aber Panama-Stadt. Zum Konzern gehört auch der deutsche Marktführer Aida, der unter anderem mit Hapag-Lloyd und
TUI konkurriert.
Schon Ende 2008 war das Geschäft von Carnival im Zuge der Finanzkrise erheblich eingebrochen. An der Börse in New York hatte das Unternehmen zwischenzeitlich bis zu 70 Prozent an Wert verloren. Seit Sommer 2009 legte die Aktie zunächst wieder zu, erholte sich aber bislang nicht vollständig von der Krise. Im Gegenteil: Im Laufe des vergangenen Jahres gab der Kurs wieder deutlich nach: Er fiel von 47 Dollar im Januar auf 33 Dollar Ende Dezember. Ähnlich wie in der Luftfahrt steht und fällt auch die Profitabilität der Reedereien mit dem Ölpreis. Weltweit konnte der Konzern den Umsatz 2010 zwar von 14,5 Mrd. Dollar im Vorjahr auf 15,8 Mrd. Dollar steigern. Der kräftige Anstieg der Treibstoffkosten bescherte Carnival aber eine zusätzliche Belastung von 535 Mio. Dollar. Das Nettoergebnis von 2011 blieb daher hinter dem Vorjahr zurück.
Noch Ende Dezember hatte sich Konzernchef Micky Arison für das Jahr 2012 vorsichtig optimistisch gezeigt: "Die Basis für unser Geschäft ist solide, und wir erwarten starke Buchungen in den kommenden Monaten. Trotz der ökonomischen Unsicherheiten rechnen wir für 2012 mit einer weiteren langsamen Erholung."
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