Meldungen Deutschland & Europa

Hypo Real Estate Es fehlt noch viel mehr Geld

[08:00, 05.10.08]

Seite 1 | 2 | 3

Die Rettung schien so gut wie sicher, doch dann rechnete die  Deutsche Bank nach: Statt geschätzter 35 Mrd. Euro fehlen angeblich bis zu 100 Mrd. Die alten Zusagen der Banken gelten jetzt nicht mehr. Zwar verhandeln die Institute laut Finanzkreisen noch, dennoch droht akut das Aus.


 
Intraday3 Monate6 Monate1 Jahr3 Jahre
WKN
 
Aktueller Kurs
0,00 €
Veränd. z. Vortag
0,00 %

Das 35 Mrd. Euro schwere Rettungspaket für den angeschlagenen Immobilienfinanzierer  Hypo Real Estate ( HRE) ist gescheitert. Wie die  HRE am Samstagabend mitteilte, ist die Kreditzusage durch mehrere Finanzinstitute derzeit nicht mehr gültig. Die Gruppe prüfe die daraus drohenden Konsequenzen für die Einheiten des Konzerns. Es werde nach alternativen Maßnahmen gesucht.

Der vor einer Woche von Bundesregierung und Finanzbranche geschnürte Hilfsplan sah einen kurzfristigen Kredit von 15 Mrd. Euro und eine langfristige Refinanzierung von 35 Mrd. Euro bis in die zweite Jahreshälfte 2009 vor.

Eine Pleite von  Hypo Real Estate wäre vor allem eine massive Nagelprobe für den deutschen Pfandbriefmarkt. Darauf hatte auch Bundesbankpräsident Axel Weber zu Beginn der Woche hingewiesen, als die Rettung geglückt schien. Pfandbriefe sind eine deutsche Erfindung in der Refinanzierung. Die Wertpapiere gelten bislang als exzellent ausfallgesichert. Sie sind neben der Zahlungskraft des Emittenten außerdem mit Immobilien oder mit Staatskrediten (bei sogenannten öffentlichen Pfandbriefen) gesichert.

Zum Ausfall eines wichtigen deutschen Emittenten ist es bislang nie gekommen. Weber hatte auch vor Politikern in Berlin den Pfandbriefmarkt als wichtigstes Motiv für die staatlichen Garantien für  Hypo Real Estate dargestellt. Der deutsche Pfandbriefmarkt ist mit rund 900 Mrd. Euro der zweitgrößte der Welt. Die  HRE steht für rund ein Fünftel dieses Marktes.

"Wir kämpfen darum, das Unternehmen zu erhalten", sagte HRE-Sprecher Hans Obermeier am Samstagabend der Deutschen Presse-Agentur. Die großen Aktionäre hätten deutlich gemacht, dass sie das Unternehmen unterstützen wollten. Größter Anteilseigner mit 24,9 Prozent ist der Finanzinvestor JC Flowers, der erst im Juni eingestiegen war. Die beiden einzigen weiteren Aktionäre mit mehr als fünf Prozent Anteil sind laut Website der  Deutschen Börse Close Trustees (Cayman) Limited mit fünf Prozent und Grove International Partners mit 7,0 Prozent. Die übrigen Aktien sind in Streubesitz. "Wir bekommen Signale von der irischen Regierung, dass sie Maßnahmen zur Stützung der Depfa prüft", sagte Obermeier außerdem.

Aus Finanzkreisen erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Abend, dass die Banken weiter mit Hochdruck an einer kapitalmarktfähigen Lösung arbeiteten, um die  HRE doch noch zu retten. Es werde erwartet, dass die Verhandlungen die ganze Nacht dauerten, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person zu Reuters. Es gebe wieder Hoffnung. Wie Reuters am Samstag von mehreren mit der Situation vertrauten Personen erfuhr, forderten die Banken landesweite Staatsgarantien für Bankschulden nach dem Vorbild Irlands. "Jetzt ist der Staat gefordert, wichtig ist jetzt, Stabilität reinzubringen", sagte ein Frankfurter Banker.

Auslöser waren Liquiditätsprobleme der Tochter Depfa

<b>Alles andere als eine glückliche Ehe: die Fusion zwischen HRE und Depfa.</b>

 Alles andere als eine glückliche Ehe: die Fusion zwischen HRE und Depfa.

Die  HRE war wegen Liquiditätsproblemen ihrer Staatsfinanzierungstochter Depfa in Schwierigkeiten geraten. Diese hatte systematisch ihre langfristigen Ausleihungen mit kurzfristigen Mitteln vom Geldmarkt refinanziert. Durch die Kreditkrise trocknete der Markt aber aus, so dass die Depfa plötzlich eine riesige Liquiditätslücke hatte. Diese müsste von der Mutter  Hypo Real Estate getragen werden. Die ehemalige Sparte der HypoVereinsbank hatte Depfa erst vor rund einem Jahr gekauft. Die Staatsfinanzierungsbank mit Sitz in Irland war ehemals mit dem MDax-Konzern Aareal verbunden, dessen Aktienkurs in dieser Woche wegen der HRE-Krise massiv unter Druck geraten war. Aareal hatte daraufhin betont, von den Schwierigkeiten der ehemaligen Schwester Depfa in keinster Weise betroffen zu sein.

Nach Informationen der "Welt am Sonntag" stellte die  Deutsche Bank bei einer Prüfung nun fest, dass die  HRE bereits kurzfristig deutlich mehr Geld brauche. Laut Deutscher Bank fehlten dem Vernehmen nach bis Jahresende maximal 50 Mrd. Euro, bis Ende 2009 sogar 70 bis 100 Mrd. Euro.







 

© 2008 boerse-online.de, © Illustration: boerse-online.de

Empfehlen

Facebook Twitter XING

Diesen Artikel bookmarken bei...

BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Webnews weblinkr Yahoo MyWeb YiGG


DAX 6.309,97

+38,75 Punkte/+0,62%
Chart
DAX Tops
  Kurse Diff%
76,37 +3,29%
1,43 +2,73%
6,34 +2,23%
79,91 +2,21%
DAX Flops
  Kurse Diff%
29,53 -1,53%
15,04 -1,09%
53,78 -1,05%
75,35 +0,05%
Am 24. Mai findet die HV der Telekom statt. Wie beurteilen Sie die T-Aktie?
 
Ihre Stimmabgabe für das Leserinvestment der Ausgabe 23/2012

Grosse Lesserumfrage Zertifikateemittent 2012
Boerse Online DATA INTERAKTIVE
Finden Sie uns auf Facebook
Mehr Videos »