Die
Aareal Bank wappnet sich für eine Zuspitzung der europäischen Staatsschuldenkrise. Der Wiesbadener Immobilienfinanzierer warf nach eigenen Angaben im vierten Quartal italienische Staatsanleihen aus dem Portfolio und nahm dabei auch Verluste in Kauf. Laut Vorstandschef Wolf Schumacher und Finanzchef Hermann Josef Merkens hält das Institut nun noch Italien-Bonds im Volumen von 1,2 Mrd. Euro, Ende September waren es noch 1,6 Mrd.
Italien sei zwar ein reiches Land, sagten Merkens und Schumacher. Doch lasse sich derzeit kaum abschätzen, ob die Regierung die Schulden in den Griff bekomme. Die
Aareal Bank wendet sich nach eigenen Angaben auch von anderen Schuldenländern ab: Spanische, griechische und irische Staatsanleihen hält das Wiesbadener Institut überhaupt nicht mehr. Für Italien wird es immer teurer, sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren.
Weil die Konkurrenz am Boden liegt, machte der Immobilienfinanzierer ein gutes Geschäft. Im dritten Quartal steigerte das Institut sein Betriebsergebnis um 42 Prozent auf 47 Mio. Euro und verdiente damit mehr als von Analysten erwartet. Unter dem Strich und nach Abzug der Zinsen für die Einlage des staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin lag der Gewinn bei 24 Mio. Euro nach 10 Mio. vor einem Jahr.
Die europäische Schuldenkrise kann die
Aareal Bank relativ gelassen beobachten: Sie hat keine griechischen Staatsanleihen im Portfolio und muss damit auch keine Abschreibungen schultern, die etlichen Konkurrenten zuletzt die Bilanz verhagelten. Die Aktien des Immobilienfinanzierers stieg deutlich an und kletterte an die Spitze des Nebenwerteindex MDAX .
Die Bank liegt schon jetzt über Jahresplan: Für 2011 hatte sich Vorstandschef Schumacher ein Betriebsergebnis von deutlich über dem Vorjahresergebnis von 134 Mio. Euro vorgenommen. Nach neun Monaten sind es nach dessen Angaben schon 138 Mio. Euro. Eine neue Ergebnisprognose gab Schumacher nicht ab. Die Kernkapitalquote liegt Analysten zufolge mit 16,6 Prozent deutlich über dem Branchendurchschnitt.
Das Neugeschäft mit strukturierten Immobilienfinanzierungen zog von Juli bis September noch einmal deutlich an - auf 3 Mrd. Euro. Nach neun Monaten sind es gut 6 Mrd. Euro, nur noch wenig entfernt von den im Gesamtjahr angepeilten 8 Mrd. Euro.
Die Aareal profitiert insbesondere von der Schwäche der großen Konkurrenten, wozu die Commerzbank-Tochter Eurohypo und die Westimmo gehören. Zu Gute kommt dem Haus seine Historie, die es von der Eurohypo unterscheidet. Bis 2002 gehört das Institut zur Depfa-Gruppe. Diese spaltete sich in den gewerblichen Immobilienfinanzierer Aareal und den Staatsfinanzierer Depfa auf.Analysten zufolge ist der einer der größten Trümpfe der Aareal, dass sie sich noch ausreichend refinanzieren kann und über eine gesunde Menge an Kapital verfügt.
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