Infineon hat nach den guten Zahlen der amerikanischen Branchenkollegen am Morgen mit seiner Bilanz nachgelegt. An den vorbörslichen Indikationen zeigt sich, dass die Börsianer zufrieden sind. Charttechnisch wird es nun richtig spannend.
Für das laufende
Geschäftsjahr 2009/10 (zum 30. September) erwartet das
Unternehmen nun ein Umsatzplus von mehr als einem Fünftel auf
mindestens 3,63 Milliarden Euro und eine operative Rendite im
hohen einstelligen Bereich, wie
Infineon am Freitag mitteilte.
Bislang war
Infineon von einem Umsatzzuwachs von zehn Prozent
und einer Marge um fünf Prozent ausgegangen.
Im Weihnachtsquartal hat das Unternehmen einen operativen
Gewinn von 88 Millionen Euro erwirtschaftet. Ein Jahr zuvor
hatte noch ein Verlust von über 100 Millionen Euro in den
Büchern gestanden. Der Umsatz kletterte um gut ein Viertel auf
941 Millionen Euro. Mit beiden Zahlen übertraf
Infineon die
Erwartungen der Analysten. Konzernchef Peter Bauer führte die
Entwicklung auf eine Erholung in den wichtigsten Absatzmärkten
zurück. "Besonders die Segmente Automotive und Industrial &
Multimarket konnten in hohem Maße vom Marktaufschwung
profitieren", erklärte er.
Unter dem Strich stand im ersten Quartal ein Gewinn von 66
Millionen Euro.
Infineon hatte zwar durch den Verkauf der
Festnetzchipsparte an den Finanzinvestor Golden Gate Capital
einen Sondererlös von 106 Millionen Euro nach Steuern verbucht.
Allerdings wurde die Freude über den Geldsegen durch Lasten aus
dem Joint Venture Altis getrübt, das
Infineon bislang gemeinsam
mit
IBM in Frankreich betreibt und das bis Ende März im
dritten Anlauf verkauft werden soll. Durch die Entkonsolidierung
des Altis-Anteils habe
Infineon einen einmaligen Verlust von 81
Millionen Euro schultern müssen.
"Operativ sind die Zahlen in
Ordnung, allerdings gibt es zahlreiche Einmaleffekte", urteilte
Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. "Der Ausblick für
das Gesamtjahr liegt im Rahmen der Erwartungen."
Abwärtstrend im Fokus
Die Aktie zeigte sich im Handelsverlauf am Donnerstag zunächst sehr stark und kletterte in der Spitze exakt bis an die obere Begrenzung des derzeit gültigen Abwärtstrends bei rund 4,06 Euro. Danach verließ den Bullen aber wieder der Mut. In einem sehr schwachen Marktumfeld gab der Wert unter recht hohen Umsätzen wieder einen Großteil der Gewinne ab und schloss auf der leichten Unterstützung bei 3,90 Euro.
Die Aktie eröffnet dank der guten Zahlen zunächst leicht über dem Abwärtstrend - kann dieses Niveau aber vorerst nicht verteidigen und fällt danach deutlich zurück. "Sell on good news" lautet wohl die Devise. Unter dem Strich verdichten sich damit die Anzeichen, dass
Infineon zunächst noch nicht aus dem Abwärtskanal ausbricht. Sollte nun auch die Unterstützung bei 3,90 Euro nicht halten, könnte die Aktie im pessimistischen Szenario wieder die Unterseite der Range bei derzeit 3,61 Euro anlaufen. Anleger sollten den Wert daher vorerst weiter beobachten und erst im Fall eines Ausbruchs über 4,10 Euro einsteigen.
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