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Interview mit KlöCo-Chef Rühl "Die Lage ist bedrohlicher als 2008"

[12:00, 30.01.12]


Der Aufschwung beschert auch den Stahlhändlern derzeit gute Geschäfte - allerdings erwartet KlöCo, dass das nicht so weitergeht: Unternehmenschef Rühl rechnet für 2012 mit einem Minus von bis zu fünf Prozent.


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Der größte unabhängige Stahlhändler Europas,  Klöckner & Co, sieht in der aktuell steigenden Stahlnachfrage nur ein kurzes Zwischenhoch. "In Europa gehen wir nur von einem kurzzeitigen Aufschwung aus", sagte Vorstandschef Gisbert Rühl im Gespräch mit der FTD. Die Kunden füllten zwar ihre Lager zurzeit wieder auf, blieben aber vorsichtig. "Wir richten uns darauf ein, dass die Stahlnachfrage in Europa in diesem Jahr um bis zu fünf Prozent sinkt, es kann aber noch schlimmer kommen", sagte Rühl.

Der Chef des Duisburger Stahlhändlers ist damit deutlich pessimistischer als der europäische Stahlverband Eurofer, der in diesem Jahr bisher mit einer um zwei Prozent steigenden Nachfrage rechnet. Rühls Aussagen haben in der Branche großes Gewicht - als konzernunabhängiger Stahlhändler wickelt das Unternehmen einen Großteil seines Geschäfts über Kurzfristkontrakte ab und ist damit sehr nah am Markt. Analysten in den USA und Europa greifen für Stahlpreisschätzungen häufig auf diese Expertise zurück, denn das Unternehmen gilt als typischer Frühzykliker. An KlöCo lässt sich die konjunkturelle Entwicklung oft auf Monate im Voraus ablesen, für die Stahlbranche und darüber hinaus.

Als einer der ersten Manager hatte Rühl im vergangenen Sommer vor einer drohenden Rezession in Europa gewarnt. "Unsere Befürchtungen haben sich bestätigt, dass wir in Europa in eine rezessive Phase hineinlaufen", sagte der 52-Jährige jetzt. Er ist davon überzeugt, dass auch Branchen, die im vierten Quartal noch gute Auftragseingänge hatten, nun deutlich spürbare Rückgänge sehen werden. Dies sei vor allem eine Folge der Staatsschuldenkrise. "Die Unsicherheit auf den Kapitalmärkten ist vermutlich zurzeit noch größer als 2008", meint Rühl. Damals habe es mit der Rekapitalisierung der Banken immerhin eine zeitnahe Lösung gegeben. Heute hingegen zeichne sich noch kein Ende der Schuldenkrise ab. "Die Situation ist daher jetzt bedrohlicher", so Rühl.

Seine Vorhersage für 2011 hatte der KlöCo-Chef bereits revidiert und erwartet nun nur noch ein leicht positives Ergebnis oder eine schwarze Null. Der Umsatz soll laut Prognose um 35 Prozent wachsen. 2010 lag er bei 5,2 Mrd. Euro.

Schon im September hatte Rühl dem Konzern ein Sparprogramm auferlegt, das die Kosten um 70 Mio. Euro senken soll. Nun konkretisierte Rühl erstmals, wie viele der aktuell 11.577 Arbeitsplätze bei KlöCo wegfallen: "Insgesamt werden wir unser Personal um sechs Prozent reduzieren", sagte Rühl. In Europa werde sogar fast jede zehnte Stelle gestrichen. Darin seien auch die Jobs enthalten, die durch den Verkauf von Randgeschäften verloren gingen. "Dabei lassen sich - in allerdings geringem Umfang - betriebsbedingte Kündigungen nicht vermeiden", so Rühl. Besonders stark betroffen sei die Zentrale in Duisburg: Dort wird jede fünfte Stelle überflüssig. Bis Ende Juni soll das Sparprogramm umgesetzt sein.

Gisbert Rühl, Vorstandschef Klöckner & Co

 Gisbert Rühl, Vorstandschef Klöckner & Co

Von den Streichungen kaum betroffen sind die nordamerikanischen Tochtergesellschaften. Die Konjunkturlage dort beurteilt Rühl viel optimistischer: "In den USA erwarten wir, dass die Stahlnachfrage deutlich zulegt, wir wollen mit mindestens fünf Prozent überproportional wachsen." Das spiegele sich bereits in den Preisen wider. Während die Preise für Flachstahl in Europa seit Dezember um rund zehn Prozent stiegen, legten sie in den USA um 30 Prozent zu.

Wegen der guten Aussichten in Nordamerika rechnet Rühl 2012 wieder mit einem positiven Ergebnis: "Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, dass wir 2012 auch durch Zukäufe den operativen Gewinn steigern können." Dann sei auch wieder eine Dividende möglich. Für 2011 müssen die Aktionäre darauf verzichten.


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