Weil die Geldgeber um Unterschriften feilschen, droht der geplante Gerichtsentscheid über die Zukunft des Kaufhauses zu kippen.
An diesem Freitag will das Amtsgericht Essen eigentlich endlich entscheiden, was aus Karstadt wird. Obwohl der Termin bereits um mehrere Monate verschoben wurde, feilschen Insolvenzverwalter, Kaufinteressent, Vermieter und Geldgeber untereinander immer noch um Unterschriften – buchstäblich bis zur letzten Minute und womöglich auch noch darüber hinaus.
Was fehlt noch?
Zwar hat Karstadt-Interessent Nicolas Berggruen sich mit dem Vermieter Highstreet auf niedrigere Mieten für die Karstadt-Häuser geeinigt. Das von
Goldman Sachs und der
Deutschen Bank geführte Konsortium hat den Vertrag aber noch nicht unterschrieben, weil es erst von jedem seiner eigenen Geldgeber die Erlaubnis will, geringere Zinsen zu zahlen. Einige, wie die Valovis Bank, haben zugestimmt, viele aber noch nicht.
Wer muss noch zustimmen?
Zwei Gruppen: erstens diejenigen, die am intern „Senior B“ genannten Kredit beteiligt sind. Mit diesem Geld ist das Portfolio B mit 44 Kaufhäusern bezahlt. Die Gruppe soll rund 200 verschiedene Investoren umfassen. Zweitens die Mezzanine-Kapitalgeber. Mezzanine ist ein Zwitter aus Eigenkapital und Kredit. Wer es gewährt, bekommt einerseits nichts als Kreditsicherheit und andererseits kein Stimmrecht auf der Hauptversammlung, dafür aber höhere Zinsen. Diese Gruppe ist unterteilt in A, B und C.
Wann wird abgestimmt?
Die Senior-B-Kreditgeber kommen am Donnerstag um 10 Uhr Ortszeit in London zusammen. Kurze Zeit später sollen sie den geringeren Zinsen zustimmen. Dass die nötige 75-Prozent-Mehrheit zusammenkommt, gilt mittlerweile als wahrscheinlich. Für die Mezzanine-Kapitalgeber gibt es kein eigenes Treffen. Von ihnen muss jeder Einzelne schriftlich zustimmen – das wird zum Knackpunkt. Karstadt-Kreisen zufolge sind in der Untergruppe B einige Hedge-Fonds mit geringen Anteilen, die sich ihre Zustimmung mit einem Bonus abkaufen lassen wollen. Ob sie bis Donnerstag 24 Uhr zustimmen werden, ist offen.
Welche Ergebnisse sind denkbar?
Stimmen alle rechtzeitig zu, wird das Amtsgericht Essen am Freitag den Insolvenzplan als erfüllt ansehen. Karstadt wird so zum 30. September an Berggruen verkauft. Fehlen am Ende Unterschriften, hat das Gericht zwei Möglichkeiten: Es könnte den Insolvenzplan als nicht erfüllt ansehen und ablehnen. Karstadt würde dann vermutlich geschlossen. Oder es könnte sich erneut vertagen.
Handelsvolumen und Kurs ziehen an
An der Börse sorgten die Neuigkeiten für kräftige Bewegungen bei der Arcandor-Aktie. Der Pennystock fiel bereits in den vergangenen Tagen durch ein wieder deutlich höheres Umsatzvolumen auf. Wechselten in den vergangenen Wochen meist nur 300.000 Papiere den Besitzer, sprang die Zahl am Dienstag bis auf knapp zehn Millionen Anteilsscheine. Zugleich zog der Kurs wieder kräftig von 0,17 Euro auf bis zu 0,27 Euro an. Heute scheinen die Zocker wieder verstärkt ihr Spiel mit der Aktie zu spielen. Das Tagestief lag bei 0,186 Euro, inzwischen werden wieder 0,24 Euro bezahlt – mehr als 20 Prozent in wenigen Stunden. Anleger aber auch spekulativ ausgerichtete Börsianer sollten aber trotz der verlockenden Renditechancen die Finger von Arcandor-Aktien lassen.

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