Bund und Länder könnten Anteile am Rüstungs- und Luftfahrtkonzern für 2,7 Mrd. Euro erwerben, damit die deutsch-französische Machtbalance gewahrt bleibt.
Daimler bietet der Bundesregierung die Hälfte seines 15-prozentigen Kapitalanteils an
EADS zum Kauf an. Nach Informationen der Financial Times könnte der Bund zusammen mit einem bei Banken und Bundesländern geparkten Anteil von weiteren 7,5 Prozent insgesamt 15 Prozent erwerben.
Gespräche über den Kauf des Pakets mit einem aktuellen Marktpreis von rund 2,7 Mrd. Euro soll Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bereits in der kommenden Woche mit Kabinettsmitgliedern führen.
Staaten gewinnen Einfluss
Mit der Transaktion würde die Machtbalance in dem deutsch-französisch bestimmten Konzern erhalten. Es war spekuliert worden, dass
Daimler sein Aktienpaket an einen externen Investor verkaufen könnte und Deutschland so gegenüber Frankreich an Einfluss verlöre. Erwirbt die Bundesregierung nun einen Teil des Pakets, bliebe die Aktionärsstruktur ausgeglichen.
Es wäre das dritte Mal, dass
Daimler sein Engagement um 7,5 Prozent mindert. Ein Kauf der Anteile durch den Bund bedeutete auch eine weitere Machtverschiebung zugunsten der Regierungen: In Frankreich zieht sich die Mediengruppe Lagardère schrittweise zurück, und der Staat stockt auf. Bereits 2006 hatten
Daimler und
Lagardère je 7,5 Prozent an
EADS verkauft.
Daimler hatte 2007 weitere 7,5 Prozent an ein Konsortium aus Banken und Bundesländern abgetreten, aber 22,5 Prozent der Stimmrechte behalten.
Ein privater deutscher Bieter für
EADS wurde bislang nicht gefunden. Nach dem jüngsten Anstieg der EADS-Aktie sehen Banken und Bundesländer nun die Chance, bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern ohne Verlust auszusteigen.
Daimler wiederum will sich auf sein Automobilgeschäft konzentrieren. Vertraglich ist das Bankenkonsortium bis Ende 2012 gebunden.
Belastung für Daimler-Ertrag
Unklar ist, ob Schwarz-Gelb bereit wäre, die Aktien - möglicherweise mithilfe einiger Bundesländer - tatsächlich zu übernehmen. Die FDP lehnt eine Verstaatlichung von Industriekonzernen bislang strikt ab.
Daimlers Finanzvorstand Bodo Uebber, der bei
EADS Verwaltungsratsvorsitzender ist, sagte am Mittwoch bei der Vorstellung der Daimler-Bilanz, man wolle bei
EADS die "industrielle Führung" behalten. Details nannte er nicht.
EADS hat den Daimler-Ertrag in der Vergangenheit immer wieder belastet. Weil die EADS-Zahlen zeitverzögert in die Bilanz eingehen, drückten die Verluste beim Militärtransporter Airbus A400M den Gewinn der Stuttgarter 2010 um 261 Mio. Euro.
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