Turbulenzen, Sinkflug, Bruchlandung - wer sich dieser Tage der Lektüre von Marktkommentaren widmet, merkt, wie gern sich die Finanzprofis in ihrem Jargon bei der Luftfahrtbranche bedienen. Doch das Segment ist nicht nur sprachlich mit den globalen Entwicklungen der letzten Wochen verwoben. Die Aktien von Fluglinien sind zyklische Werte, und sie gehören damit zu den ersten, die in einer Phase wirtschaftlicher Abkühlung leiden.
So hat die
Lufthansa ihre Jahresprognose wegen der schwachen Entwicklung im August und der unsicheren Konjunkturaussichten bereits gekappt. Und auch der Ausblick des Branchenverbands IATA macht nicht gerade Mut: Er sagt der gesamten Branche aufgrund der angeschlagenen Wirtschaft einen Gewinneinbruch im kommenden Jahr voraus.
Die Gewinne der Fluglinien dürften demnach 2012 um knapp 30 Prozent auf insgesamt 4,9 Mrd. Dollar schrumpfen. Besonders hart würde es laut IATA die europäischen Gesellschaften treffen. Deren Profite könnten durch die Schuldenkrise von 1,4 Mrd. Dollar auf 300 Mio. Dollar sinken.
Die leidgeprüften Airlines dürften das mit Sorge aufgenommen haben. Die Branche hatte zuletzt Kapazitäten ausgebaut: Von den weltweit 25 größten Fluggesellschaften boten Anfang September nur zwei Unternehmen weniger Flüge an als im Vorjahr.
Gemessen an den Sitzplatzkilometern, einer in der Branche wichtigen Kennziffer, expandierte Turkish Airlines mit 30,8 Prozent am stärksten, gefolgt von Korean Airlines,
Ryanair,
Cathay Pacific und der
Lufthansa. Gleichzeitig erhöhten viele Gesellschaften die Preise.
Für 2011 schätzt Jürgen Pieper, Luftfahrtanalyst beim Bankhaus Metzler, dass die Nachfrage nach Tickets noch einen Zuwachs von fünf bis sechs Prozent erreichen wird. 2012 wird die Nachfrage nach Flügen hingegen ersten Prognosen zufolge bestenfalls stagnieren.
Mit noch stärkeren Rückgängen muss das Frachtgeschäft rechnen. Das Segment hängt stärker an der Weltwirtschaft als das Passagiergeschäft. Immerhin sinken die Preise für Öl und somit für Kerosin. Das sorgt für eine Entlastung auf der Kostenseite. Die Kosten für Treibstoff gehören zu den größten Ausgabenposten der Airlines.
Auf Basis der für 2012 prognostizierten Gewinne haben Airlinetitel derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11,0. Damit liegen sie im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Wegen der sich eintrübenden Branchenaussichten sollten Investoren bei den Aktien aber trotz passabler Bewertung auf der Hut bleiben. Nur flexible und risikofreudige Anleger können einige der besser positionierten Papiere ins Auge fassen.
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