Der energisch durchregierende Haniel-Clan hat die Geduld mit dem Chef seiner Pharmahandelstochter
Celesio verloren: Der Konzern trennt sich abrupt von dem seit zwölf Jahren amtierenden Vorstandsvorsitzende des MDAX-Unternehmens, Fritz Oesterle.

Fritz Oesterle
Ende Juni soll der 58-Jährige aus dem Amt scheiden. Der seit Längerem schwelende Machtkampf zwischen Oesterle und der Haniel-Führung hatte sich nach FTD-Informationen in den letzten Wochen so zugespitzt, dass die Abberufung nun überraschend schnell noch vor der Bilanzpressekonferenz kommende Woche getroffen wurde. Zündstoff lieferten letztlich auch Verhandlungen von Haniel-Chef Jürgen Kluge und seinem Finanzvorstand Stefan Meister über einen
Celesio-Verkauf in China, hieß es in Konzernkreisen.
Haniel-Chef Kluge hatte bereits vor über einem Jahr angekündigt, im Portfolio des Familienunternehmens aufzuräumen. Sein Ziel ist es, den Anteil der börsennotierten Beteiligungen zu verringern und Haniels Finanzkraft zu stärken. Deshalb steht der Verkauf von Anteilen an der größten Tochtergesellschaft
Celesio sowie an der Handelskette
Metro im Raum. An dem Pharmahändler hält Haniel rund 54 Prozent der Aktien.
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Streitigkeiten über die strategische Ausrichtung von
Celesio gingen in den letzten Jahren auch immer einher mit persönlichen Auseinandersetzungen und Rivalitäten. So war es informierten Kreisen zufolge auch bei dem jüngsten Konflikt. Vor einigen Monaten hatte Kluge zusammen mit seinem Finanzvorstand Meister an Oesterle vorbei eine Reise nach China angetreten, um bei dem Unternehmen Shanghai Pharmaceutical für eine Beteiligung an
Celesio zu werben - was Oesterle für wenig sinnvoll hält. Diese Verkaufsspekulationen wurden vor einigen Wochen publik. Haniel habe es Oesterle daraufhin freigestellt, die Veröffentlichungen zu dementieren. Wirklich entkräften wollte der Gesellschafter das Gerücht jedoch nicht.
Pikanterweise prallten in dem Konflikt wieder alte Rivalen aufeinander. Meister war bis 2009 Oesterles Vize im Celesio-Vorstand gewesen und wechselte nach einem Zerwürfnis mit Oesterle um einen Zukauf in Brasilien in den Haniel-Vorstand. Haniel, damals unter Führung des jetzigen
Metro-Chefs Eckhard Cordes, hatte kurz vor Abschluss des Geschäfts bei
Celesio interveniert, angeblich weil Meister den Deal Haniel gegenüber schlechtgemacht hatte.
Aufgrund dieser Vorgeschichte sahen einige Vertraute den 45-jährigen Meister als wahrscheinlichen Nachfolger von Oesterle. Tatsächlich läuft die Besetzung aber wohl auf einen externen Kandidaten mit Pharmaexpertise hinaus. Es werden dazu bereits "sehr konkrete Gespräche geführt", hieß es in Konzernkreisen. Es gilt als sicher, dass Oesterle sein Amt nicht mehr bis zur Frist im Sommer ausüben wird. Als Übergangslösung steht Vorstandsmitglied Wolfgang Mähr bereit.
Oesterles Vertrag lief noch bis Ende 2013. Dass er genug von den schwierigen Eigentümer- und Führungsstrukturen habe, hatte er auch selbst schon durchblicken lassen. Oesterles Darstellung nach führt der weitverzweigte Haniel-Clan ein strenges Regiment. Auch Haniel-Chef Kluge sollen enge Grenzen gesetzt sein durch die starken Überwachung der Familieneigentümer, die sich zunehmend gegenseitig blockieren.
Das traditionelle Geschäft von
Celesio ist zudem in den vergangenen Jahren verstärkt unter Druck geraten. Oesterle hatte darauf gesetzt, aus der vor vier Jahren aufgekauften Apothekenmarke DocMorris eine Kette zu machen, was jedoch an einem Urteil des Europäischen Gerichtshof 2009 scheiterte. In den vergangenen Wochen hatte Oesterle deshalb noch in mehreren Interviews für seine Strategie geworben, in weniger regulierte Geschäftsfelder zu expandieren. Für 2010 hatte er zuletzt einen Umsatz von rund 23 Mrd. Euro und ein operativen Ergebnis zwischen 670 und 690 Mio. Euro in Aussicht gestellt.
Anleger rechnen nach dem Führungswechsel offenbar mit einem Verkauf von Celesio: Die Aktie stieg gestern um bis zu 3,4 Prozent auf 17,57 Euro. Nach FTD-Informationen ist ein Verkauf derzeit jedoch nicht geplant.
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