Großaktionär
Daimler will seine Beteiligung am Rüstungskonzern verkleinern. Damit das Gleichgewicht zwischen Franzosen und Deutschen nicht aus den Fugen gerät, erwägt
EADS einen kostspieligen Kniff - und würde den Bund entlasten.
Ein Aktienrückkauf wäre nach Ansicht von Finanzmarktexperten eine Lösung für die zum Teil unterschiedlichen Interessen. Denn die aktuelle Machtbalance und industriellen Führung könnten auf diese Art erhalten bleiben. Den drei Großaktionären
Daimler, Lagardère und dem französischen Staat flösse zudem Geld zu: Der Aufkauf von 15 Prozent der Aktien würde derzeit gut 5 Mrd. Euro kosten. Ein EADS-Sprecher wollte sich am Sonntag dazu nicht äußern.
Der Aktienrückkauf könnte auch zeitlich gestreckt werden, heißt es. Parallel müssten die seit Langem diskutierten rechtlichen Voraussetzungen für ein Vetorecht über "goldene Aktien" für Deutschland und Frankreich vorangetrieben werden.
Am Mittwoch berät Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Treffen mit Außenminister Guido Westerwelle und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (beide FDP) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), ob der Staat EADS-Anteile von
Daimler kaufen soll. Beobachter rechnen nicht mit konkreten Ergebnissen.
Die Vorstellung, dass der Bund bei
EADS einsteigt, stieße nicht nur den Liberalen sauer auf, sondern auch dem Konzernmanagement. Ein noch stärker verstaatlichtes Unternehmen würde die angestrebte internationale Expansion in den USA und Asien erschweren, so die Befürchtung. EADS-Vorstandschef Louis Gallois und Airbus-Chef Thomas Enders dringen seit jeher darauf, den Konzern zu entpolitisieren, sofern das möglich ist.
Widerstände gegen den Bund
Derzeit verfügt sowohl die französische als auch die deutsche Seite über je 22,5 Prozent der EADS-Aktien.
Daimler hält dabei 15 Prozent am Kapital und 22,5 Prozent der Stimmrechte. 7,5 Prozent der Kapitalanteile sind bei einem Konsortium aus Banken und Bundesländern bis mindestens Ende 2012 geparkt.
Daimler will sich von 7,5 Prozent seiner Aktien trennen, aber weiter die industrielle Führung behalten. Einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zufolge will die Bundesregierung
Daimler mit einem staatlichen Förderprogramm für Elektroautos dazu bewegen, seine EADS-Anteile zu halten.

Dass es Vorbehalte gegen einen Einstieg des Bundes bei
EADS gibt, wird an Äußerungen des Hauptgeschäftsführers des Branchenverbands BDLI deutlich. "Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für die schnelle und bequeme Lösung", erklärte Dietmar Schrick.
EADS sei deshalb so erfolgreich, weil es als privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen mit dem Ziel einer breit gestreuten Aktionärsstruktur geschaffen wurde. Notwendig sei eine Aktionärsstruktur, die das internationale Wachstum "nicht behindert, sondern fördert".
Airbus-Chef Enders lehnt eine Stellungnahme in der Sache ab. "Dazu habe ich keinen Kommentar, das ist Sache unserer Aktionäre", so Enders.
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