Wieder wollen die letzten unabhängigen Mobilfunkprovider Deutschlands über eine Fusion sprechen. Auf dem Papier passt die gebündelte Einkaufsmacht von
Freenet und Drillisch schon seit Langem gut zusammen. Nun drängt langsam die Zeit.
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Nach einer langen Reihe von Fusionen und Übernahmen sind die beiden Unternehmen die letzten unabhängigen Mobilfunkprovider auf dem deutschen Markt. Die Firmen verkaufen Anschlüsse von Netzbetreibern wie
Vodafone unter eigenem Namen weiter. Ein hartes Geschäft, denn seit Jahren sinken die Preise in diesem Bereich. Ein Zusammenschluss brächte Synergien im Einkauf und würde die Verhandlungsmacht gegenüber den Netzbetreibern stärken. Die
Freenet AG, die seit gut zwei Jahren stetig Kunden verliert, gewönne rund 2,5 Millionen Mobilfunkkunden hinzu. Zudem ergänzen sich die Geschäftsmodelle: Während Drillisch mit Discountangeboten über das Internet verkauft, konzentriert sich
Freenet auf Mobilfunkverträge mit höheren Umsätzen, die in 600 eigenen Ladengeschäften angeboten werden.
Drillisch-Chef Choulidis, der das Unternehmen mit seinem Bruder führt, will diese Chance nutzen: Er wolle näher an
Freenet heranrücken, ließ er unlängst verlauten. Im Mai steigerte Drillisch den Anteil an
Freenet auf 15,2 Prozent und hat sich den Zugriff auf weitere fünf Prozent gesichert. Auf der Hauptversammlung lässt Choulidis zwei von ihm entsandte Vertreter in den Aufsichtsrat von
Freenet AG wählen. Ein Strategiespiel: Dass Drillisch
Freenet kauft, gilt angesichts der Größenunterschiede als unwahrscheinlich. Drillisch kam zuletzt auf einen Cashflow von 40 Mio. Euro,
Freenet ist an der Börse derzeit 1,17 Mrd. Euro wert. Vermutet wird, dass Drillisch seine neue Macht im Aufsichtsrat nutzt und den Konkurrenten zu einer Fusion drängt.
Ein Hindernis könnten Freenets Schulden darstellen, die Ende März auf 560 Mio. Euro betrugen. Doch je weiter Drillisch seinen Anteil aufstockt, desto mehr käme ein Zusammenschluss für
Freenet einem Aktienrückkauf gleich. Auch die Arbeitnehmerseite müsste überzeugt werden, die bei einer Fusion um ihre Stellen fürchten müssten.

Freenet-Chef Christoph Vilanek weicht der Frage über künftige Pläne aus: Aktuell fänden keine Gespräche über eine gesellschaftliche Verknüpfung statt, betonte er. "Heute machen wir keine Due Diligence, wir prüfen keine Papiere dazu. Es gibt nur das lockere Gespräch mit meinem Großaktionär." Gleichzeitig räumte Vilanek gegenüber der FTD ein: "Wenn man sich nicht gegenseitig Wettbewerb macht, sondern versucht, gemeinsam gegen den Wettbewerb von außen erfolgreich zu sein, kann das für beide Gesellschaften nur einträglich sein."
Im Freenet-Aufsichtsrat finden sich Befürworter: Ein Zusammengehen habe eine "hohe Logik, der sich niemand verschließen kann", heißt es dort: "Es wäre die Vollendung dessen, was vor fünf Jahren angestoßen wurde." Monatelang versuchte Drillisch damals,
Freenet gemeinsam mit
United Internet zu übernehmen. Drillisch sollte die Mobilfunkkunden des damaligen Mobilcom-Freenet bekommen,
United Internet das DSL- und Hostingeschäft. Erste Verhandlungen scheiterten an
United Internet. Drillisch und
Freenet waren sich einig. Doch
Freenet hatte zur Bedingung gemacht, dass alle Unternehmensteile verkauft werden. Den folgenden feindlichen Übernahmeanlauf vereitelte Ex-Freenet-Chef Eckhard Spoerr durch den Kauf von Debitel.
Inzwischen sind die Wogen geglättet. Auch mit den Drillisch-Chefs versteht sich der neue Freenet-Chef Vilanek gut: "Ich achte beide." Ein Insider spinnt den Gedanken weiter: "Bei
Freenet wäre noch Platz für zwei Vorstandsposten", sagt er.
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