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Pharmakonzern Sanofi plagt sich mit Genzyme-Übernahme

[12:26, 10.02.11]


Der französische Pharmakonzern  Sanofi-Aventis nimmt sich für den Milliardenzukauf von Genzyme zusätzliche Zeit zur Buchprüfung. Der Vorstand enttäuscht unterdessen mit einer schwachen Bilanz.


Sanofi
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920657
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„Wir lassen uns heute auf keinen Zeitplan festlegen“, sagte Konzernchef Chris Viehbacher gestern bei der Präsentation der Geschäftszahlen des Konzerns mit Blick auf den geplanten Kauf der US-Biotechfirma Genzyme, für den Sanofi rund 20 Mrd. Dollar zahlen dürfte. Die Prüfung der Bücher des US-Konzerns dauere noch, mahnte der Konzernchef und dämpfte damit die Erwartungen. Der Pariser Konzern hatte zunächst ein feindliches Übernahmeangebot für Genzyme gestartet und versucht nun seit zehn Tagen, eine Verhandlungslösung mit dem US-Konzern zu finden.

Dabei zeigen die Geschäftszahlen und Prognosen, die Viehbacher gestern abgab, wie dringend das Unternehmen die Übernahme nötig hat. Der Konzernchef versucht seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren, sich dem strukturellen Schrumpfen seiner Geschäfte entgegenzustemmen. Sanofi leidet darunter, dass seine traditionellen Umsatzbringermedikamente mehr und mehr von Nachahmerpräparaten verdrängt werden, weil ihr Patentschutz ausläuft. Neuentwicklungen können ihre Hoffnungen nicht erfüllen. Viehbacher versucht dagegenzuhalten, indem er umfangreiche Sparmaßnahmen in Angriff nimmt, im großen Stil zukauft und auf diesem Wege neue Geschäftsfelder erobert. Doch vorerst trifft die Misere den Konzern weiter. Für das laufende Jahr sagte Viehbacher einen Rückgang beim Gewinn pro Aktie um fünf bis zehn Prozent voraus. Wenn man die Effekte des beschleunigten Sparprogramms in Rechnung stellt, die Viehbacher mit 2 Mrd. Euro gegenüber 2008 angibt, ist das eine recht desillusionierende Prognose. „Angesichts der besseren Ergebnisse des Jahres 2010 und der Beschleunigung im Restrukturierungsprogramm ist die Prognose für 2011 insgesamt enttäuschend“, urteilte somit Analyst Justin Smith vom Londoner Wertpapiermakler MF Global.

Schon im vergangenen Jahr war das Geschäft unter Druck, wie die Zahlen zeigen. Zukäufe herausgerechnet, gab der Jahresumsatz um 2,7 Prozent nach. Er erreichte 30,4 Mrd. Euro. Der Nettogewinn legte zwar um 3,8 Prozent auf 5,5 Mrd. Euro zu. Aber die Zahlen für das vierte Quartal weisen darauf hin, vor welchen Problemen Sanofi steht. Hier fiel der Absturz beim Gewinn mit rund 64 Prozent zwar besonders heftig aus, weil in das Vorjahresquartal die Zusatzgeschäfte mit Impfstoff gegen die sogenannte Schweinegrippe fielen. Doch auch die Folgen der Umstrukturierung der Gesundheitspolitik in den USA sowie Probleme mit einzelnen Arzneien machten Sanofi zu schaffen. Dazu kommt die Konkurrenz mit den Nachahmerpräparaten, sogenannten Generika, denen der Konzern weniger patentgeschützte Arzneimittel entgegensetzen kann.

Das abgelaufene Jahr „war das erste Jahr, in dem das gleichzeitige Auslaufen von Patenten wirklich spürbar geworden ist, was für einige unserer Produkte mehr Konkurrenz durch Generika gebracht hat“. Das betrifft besonders den Gerinnungshemmer Lovenox, einen der Hauptumsatzbringer von Sanofi. Seit vergangenem Juli dürfen in den USA gleichwertige Konkurrenzprodukte vermarktet werden. Bereits im vergangenen Jahr verlor Sanofi 23 Prozent Umsatz mit diesem Medikament. Im laufenden Jahr trifft das Patentende weitere Produkte.

Der Zukauf von Genzyme könnte zwar diesen Effekt nicht kurzfristig ausgleichen. Viehbacher hofft aber darauf, dass die Übernahme ihm zumindest langfristig neue exklusive Umsatzbringer sichert. Zudem würde er sich kurzfristig zusätzlichen Umfang aus dem laufenden Geschäft der Amerikaner sichern. „Wir glauben, dass Genzyme Sanofi beim Übergang helfen kann und dem französischen Konzern gleichzeitig die finanzielle Beweglichkeit geben könnte, um mit seiner Strategie weiterzumachen“, schrieb Analyst Karl Heinz Koch von Helvea unlängst. Dabei verwies er besonders auf die Anstrengungen, auf lange Sicht durch Forschung Neuentwicklungen für die Medizinprodukte der Zukunft anzuschieben.

Viehbacher selbst stellt zudem die neuen Geschäftsfelder in den Mittelpunkt – zu denen Gesundheitsprodukte für den Massenmarkt gehören oder auch Tierarzneimittel.


Kursinformationen + Charts

Unternehmen ISIN Aktuell Veränderung Details
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