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Pharmakonzerne Megafusion bei Tiermedizin geplatzt

[13:52, 23.03.11]


Der Markt für Tiermedizin sortiert sich neu. Nachdem der bisherige Weltmarktführer  Pfizer kürzlich einen möglichen Verkauf seiner Sparte angedeutet hatte, ist nun gestern die Fusion der Tiermedizinsparten von  Sanofi-Aventis und  Merck geplatzt.


Sanofi
Intraday3 Monate6 Monate1 Jahr3 Jahre
WKN
920657
Aktueller Kurs
54,25 €
Veränd. z. Vortag
0,84 %

Anstatt wie geplant durch ein Joint Venture zur Nummer eins mit über 5,5 Mrd. Dollar Umsatz aufzusteigen, betreiben der französische und der amerikanische Pharmakonzern ihre Sparten unabhängig voneinander weiter. Erst wurde der Deal vor einem Jahr beschlossen, dann kürzlich um sechs Monate verschoben. Nun ist er geplatzt.

Für  Sanofi-Aventis und  Merck ist dies ein Rückschlag, da sich beide von dem Zusammenschluss große Synergieeffekte versprochen hatten. Außerdem gehen nun auch Konkurrenten wie  Bayer, Boehringer-Ingelheim,  Novartis und Eli Lilly leer aus. Sie wollten eigentlich bei den erwarteten Teilverkäufen von Sanofi und  Merck zuschlagen, die aus kartellrechtlichen Gründen notwendig geworden wären. Pharmakonzerne haben sich weltweit auf die Veterinärmedizin gestürzt, weil sich damit Umsatzausfälle im klassischen Pharmageschäft ausgleichen lassen und die Gewinnspannen vergleichsweise hoch sind.

Da der Markt schon recht stark konzentriert ist, war im Vorfeld klar, dass Sanofi und  Merck Teile ihrer existierenden Sparten mit einem Umsatzwert von geschätzt 500 Mio. würden verkaufen müssen. Das Ringen mit den Kartellbehörden hat sich aber als zäher erwiesen als erwartet. Sanofi und  Merck begründeten ihren Ausstieg aus der Fusion mit der Art und Höhe der absehbaren Teilverkäufe. Außerdem seien die Verhandlungen mit den Kartellbehörden zunehmend langwierig und komplex geworden. „Ob sich die Synergien bei so einem immer kleineren Rumpfgeschäft noch eingestellt hätten, ist fraglich“, sagte Oliver Kämmerer, Analyst der WestLB. „Die Hoffnung war zuvor, dass die Desinvestitionen nicht so hoch ausfallen würden“, sagte er weiter. Zuletzt wurden die möglichen Umsatzverluste jedoch auf rund 1 Mrd. Dollar geschätzt.

Der Markt hat sich durch zwei Großfusionen in den vergangenen zwei Jahren zunehmend konzentriert. 2009 kaufte der US-Konzern  Pfizer seinen Rivalen Wyeth. Beide Unternehmen waren bereits im Geschäft mit Tiermedizin aktiv und verschmolzen ihre Sparten.  Merck übernahm im gleichen Jahr Schering-Plough, inklusive der Tiermedizinsparte Intervet. Schon diese Übernahme verkomplizierte sich aus kartellrechtlichen Gründen. Zu jenem Zeitpunkt betrieb  Merck bereits das Tiermedizin-Gemeinschaftsunternehmen Merial mit  Sanofi-Aventis. Um die Genehmigung für die Übernahme von Schering-Plough zu bekommen, überließ  Merck dem Partner Sanofi für 4 Mrd. Dollar seinen 50-Prozent-Anteil.

Trotz der gescheiterten Fusion dürfte der Konsolidierungsprozess noch nicht beendet sein. Auch wenn die beiden Konzerne betonten, dass sie an ihren Sparten weiterhin festhalten wollen, sieht Analyst Kämmerer das „noch nicht in Stein gemeißelt“. Allerdings dürften andere Zusammenschluss-Versuche vor den gleichen Problemen stehen. Das gilt auch für Pfizers Überlegungen. Vor zwei Wochen kündigte der weltgrößte Pharmakonzern an, sein Portfolio bis Ende des Jahres gründlich zu überprüfen. Marktbeobachtern zufolge gehört dabei die Tiermedizinsparte zu den Verkaufskandidaten.

Die Erfolgschancen von künftigen Kooperationen hängen auch davon ab, wie stark sich das Produktportfolio und die regionalen Marktanteile der beteiligten Unternehmen überlappen. Tiermedizin umfasst Arzneien wie beispielsweise Impfungen und Antibiotika für Haus- und Nutztiere sowie Flohschutz- oder Entwurmungsmittel. Pharmakonzerne können dabei ausgewählte Forschungsergebnisse aus der Humanmedizin nebenbei in der Tiermedizin anwenden. Im Fall von Merial und Intervet identifizierte die Branchenberatung Vetnosis vergangenes Jahr Überlappungen etwa bei Impfungen für Nutztiere, Parasitenbekämpfern und Spezialtierarznei wie etwa Medikamente, die Herz-Kreislauf-Störungen behandeln.

Bieterkreisen zufolge hatten zuletzt die deutschen Pharmakonzerne  Bayer und Boehringer Ingelheim sowie  Novartis aus der Schweiz die zweite Runde im Rennen um die Teilverkäufe von  Merck und Sanofi erreicht. Eli Lilly aus den USA habe ein Gebot vorbereitet.  Bayer hatte schon 2009 ohne Erfolg um Intervet gebuhlt. Vor gut einem Jahr stellte  Bayer dieses Geschäft wegen der Konsolidierung auf dem Weltmarkt gegenüber der FTD grundsätzlich infrage und zog auch einen Verkauf der eigenen Sparte in Betracht.


Kursinformationen + Charts

Unternehmen ISIN Aktuell Veränderung Details
Sanofi FR0000120578.F 54,25 + 0,84 %  Detailinformationen
Merck US58933Y1055.F 29,69 -0,52 %  Detailinformationen
Pfizer US7170811035.F 17,65 -0,48 %  Detailinformationen

 

© 2011 ftd, © Illustration: Getty Images = Getty Images

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