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Reizvolle Rückversicherer Katastrophenjahr abgehakt

[11:46, 25.01.12]


Die Versicherer hoffen nach den Rekordschäden von 2011 auf steigende Erträge. Manche Analysten glauben, dass vor allem Aktien von Rückversicherern eine attraktive Anlagemöglichkeit sein können.


Der Sturm Yasi verwüstete im Februar 2011 den Hafen von Cardwell in Australien

 Der Sturm Yasi verwüstete im Februar 2011 den Hafen von Cardwell in Australien

Erdbeben, Stürme, verheerende Überschwemmungen - mit 105 Mrd. Dollar war 2011 für die Versicherer das schadenträchtigste Jahr aller Zeiten. Als wäre das nicht schlimm genug, muss die Branche bei ihren Kapitalanlagen mit anhaltend niedrigen Zinsen und der Staatsschuldenkrise fertig werden. Doch aus den vielen Nöten wächst nun wieder Zuversicht. So lassen sich etwa in den von den Naturkatastrophen betroffenen Regionen nun höhere Prämien durchsetzen.

"Allen voran die führenden europäischen Rückversicherer können in diesem Jahr wieder mit einem größeren Ertragspotenzial rechnen", sagt  Commerzbank-Analyst Roland Pfänder. Er verweist darauf, dass in Regionen wie Australien Prämienanstiege von 60 Prozent realistisch sind. Unterm Strich rechnen Beobachter über Branchen und Sparten hinweg mit Anstiegen von zwei bis acht Prozent.

Eine Serie schwerster Naturkatastrophen wie 2011 gibt es außerdem sehr selten, zum Teil nur alle tausend Jahre, so die Experten der  Munich Re. Würde sich die Lage normalisieren, könnte bei den Münchnern die Schaden-Kosten-Quote von 117 Prozent in den ersten neun Monaten 2011 auf erträglichere Relationen sinken.

Chancen bei den Rückversicherern

Dass Erstversicherer mit Blick auf die bald strengeren Eigenkapitalanforderungen eher mehr als weniger Risiken an Rückversicherer weitergeben, spricht für steigende Nachfrage. Die Branchenführer Munich Re und  Swiss Re könnten dank starker Bilanzen davon besonders profitieren. "Vor allem die  Swiss Re verfügt über ein hohes Überschusskapital, das sie gerne in den Markt bringen würde", sagt Pfänder. Die  Hannover Rück als Dritter im Bunde der Großen bewegt ihr kleineres Portfolio flexibel dahin, wo die attraktivsten Margen winken. Zugleich haben sich die Gewinneinbußen auf der Anlageseite in Grenzen gehalten. "Die  Hannover Rück besitzt so gut wie keine Anleihen südeuropäischer Staaten und trägt da deshalb ein geringeres Risiko als Munich Re oder  Allianz", sagt Philipp Häßler, Analyst beim Research-Haus Equinet.

Ebenfalls relativ moderat ist dieses Risiko bei der  Swiss Re. Allerdings: Sollte sich die Euro-Krise entspannen, würden die besonders stark betroffenen Versicherer entsprechend profitieren. "Versicherungsaktien sind immer auch eine Wette auf die Kapitalanlagen der Gesellschaften", so Häßler. Vor allem die Aktie der Munich Re hat Erholungspotenzial; sie schnitt 2011 schlechter ab als der europäische Versicherungssektor und ist mit dem 0,8-Fachen des Buchwerts attraktiv bewertet. Sollten die Münchner die Dividende auf hohem Niveau halten, wäre das zusätzlich anziehend.

Unter den Erstversicherern würde eine Entspannung der Euro-Krise vor allem der  Allianz zugute kommen. Als größter Schadens- und Unfallversicherer in der Euro-Zone profitiert die  Allianz von steigenden Prämien in der Sparte. Von dem Trend werden auch  Zurich und  Axa getragen. Die Franzosen haben aber einen stärkeren Fokus auf Lebensversicherungen. "Solange es nicht zu einer Zinswende kommt, gibt es kaum gute Gründe für ein Investment in Lebensversicherer", so Christian Muschick, Analyst bei Silvia Quandt Research. Zurich hat keine großen Probleme mit europäischen Anleihen, ist aber stärker im schwächer laufenden Industriegeschäft positioniert und mit dem 1,1-Fachen des Buchwerts relativ hoch bewertet.

Die  Allianz profitiert von einer verbesserten Schaden-Kosten-Quote. Allerdings bleiben auch Sorgen wie die im drittgrößten Allianz-Markt Italien, wo mit der Fondiaria ein großer Kfz-Versicherer in Schieflage geraten ist. Deren Probleme haben aber auch tröstliche Aspekte: "Sie dürften zu höheren Prämien bei den Autopolicen führen, von denen die  Allianz profitiert", so Muschick. Nötig hat sie es, in Deutschland gilt das Kfz-Geschäft noch immer nicht als profitabel.


 

© 2012 ftd.de, © Illustration: AFP PHOTO / Paul CROCK

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