Einst galt Deutschland als die "Apotheke der Welt". Doch eine neue Statistik zeigt: Wenn neue Medikamente hierzulande auf den Markt kommen, sind es meist Produkte ausländischer Hersteller.
Neue Arzneimittel kommen in Deutschland weit überwiegend von ausländischen Herstellern. Im abgelaufenen Jahr brachte die Industrie insgesamt 27 Medikamente mit neuen Wirkstoffen auf den deutschen Markt, eines mehr als im Jahr zuvor. Etwa die Hälfte, 13, kam von US-Konzernen. Nur eines stammt von einem deutschen Unternehmen: eine Tablette gegen Aufmerksamkeitsstörungen, entwickelt vom Mittelständler Medice.
Im VfA sind die meisten forschenden Pharmafirmen organisiert - deutsche ebenso wie die Töchter der ausländischen Konkurrenz. 5,2 Mrd. Euro gaben die Konzerne 2010 für Forschung und Entwicklung aus. Ein Schwerpunkt sind Mittel für die Krebstherapie; so kamen 2011 vier neue Tumorpräparate auf den deutschen Markt.
Die Verbandsstatistik belegt einen Langfristtrend. Die Ergebnisse einzelner Jahre sind aber Momentaufnahmen. So könnte der deutsche Branchenprimus
Bayer 2012 in der Liste wieder auftauchen - mit einem neuen Augenmittel. Zudem zählt nur ein komplett neuer Wirkstoff, nicht aber die neue Anwendung eines bestehenden.
So kommt es, dass Boehringer 2011 leer ausgeht - obwohl Deutschlands Nummer zwei eine Neuerung zur Schlaganfallprophylaxe lancierte, die jährlich Milliarden einbringen dürfte. Der Wirkstoff war zuvor schon im Einsatz - aber nur für den wenig lukrativen Einsatz bei Operationen.
Noch in einer weiteren Hinsicht ist Boehringer ein Sonderfall. Das Familienunternehmen bekam 2011 zwar die Erlaubnis für ein Diabetesmittel, verweigert es aber dem deutschen Markt - entsprechend fehlt es in der Statistik. Grund ist die jüngste Gesundheitsreform, der zufolge Pharmafirmen den Zusatznutzen einer Arznei beweisen müssen. Hierfür gelten strenge Regeln, womit die Politik Scheininnovationen verhindern will. Die Preise für neue Produkte werden maßgeblich von den Behörden mitbestimmt. Boehringer fürchtet, dass das Diabetesmittel zu billig werden könnte.
Die britische
AstraZeneca startet noch im Januar als erster Konzern Preisverhandlungen nach dem neuen Verfahren für einen Blutverdünner. Die Branche kritisiert, das entsprechende Gesetz gefährde Innovationen. "Von der Forschung her sind 2012 ähnlich viele Medikamente mit neuem Wirkstoff zu erwarten wie 2010 und 2011 - mit Sicherheit über 20", sagt VfA-Geschäftsführer Siegfried Throm. Abzuwarten sei nun, ob das Beispiel Boehringer Schule mache.
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