Der weltweiten Luftfahrt drohe 2012 ein spürbarer Abschwung, schätzt der globale Branchenverband Iata. Die
Lufthansa schockiert den Markt schon jetzt: Bereits dieses Jahr sei das Gewinnziel nicht mehr zu halten. Die Aktie bricht ein.
Die
Deutsche Lufthansa kappt wegen der schwachen Passagierentwicklung im August und den unsicheren Wirtschaftsaussichten ihre Jahresprognose. Der Vorstand gehe für dieses Jahr nur noch von einem operativen Gewinn im oberen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich aus, teilte die
Lufthansa am Dienstag mit. Zudem werde das Flugangebot im Winterflugplan reduziert. Wegen der konjunkturellen Risiken rechnet Deutschlands größte Fluglinie mit weniger Buchungen als in den jüngsten Boomzeiten.
Dt.Lufthansa N
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Die bislang erwartete Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert von 876 Mio. Euro erscheine aus derzeitiger Sicht nicht mehr realisierbar, hieß es in der Ad-hoc-Mitteilung weiter. Die Lufthansa-Aktie verlor zeitweise fast sieben Prozent. Zuvor hatte das Papier bis zu 4,3 Prozent gegenüber dem Vortag zugelegt.
Dass die Zeiten für die weltweite Luftfahrt schwieriger werden, hatte zuvor schon der Branchenverband Iata prognostiziert. Dieser sagte wegen der angeschlagenen Wirtschaft der gesamten Branche einen Gewinneinbruch im kommenden Jahr voraus. Die Gewinne der Fluglinien dürften 2012 um knapp 30 Prozent auf 4,9 Mrd. Dollar schrumpfen. Das vierte Quartal 2011 und die erste Jahreshälfte 2012 könnten sogar die schwächsten Perioden für die Luftfahrtindustrie werden, warnte der Verband. Damit steuert die Luftfahrt nach der tiefen Krise 2009 schon wieder auf eine Flaute zu.
Besonders hart dürfte es laut Iata die europäischen Fluglinien im nächsten Jahr treffen: Deren Profite könnten von 1,4 Mrd. Dollar auf 300 Mio. Dollar sinken. Es würden weniger Flüge gebucht. Schuld sei die europäische Schuldenkrise.
Allerdings hätten die europäischen Fluglinien im weltweiten Vergleich auch besonders stark von zuvor steigenden Verkehrzahlen profitiert - dank des schwachen Euro, der sowohl den Tourismus als auch den Export gestärkt habe.
Auch wenn die
Lufthansa schon für dieses Jahr ihre Prognose kassieren muss - alles in allem läuft das Geschäft der Branche noch immer passabel. Die Gewinnaussichten für 2011 bewertete die Iata mit 6,9 Mrd. Dollar zuversichtlicher als bislang, weil die Branche im ersten Halbjahr dieses Jahres einen unerwartet kräftigen Aufschwung erlebt habe. Im Juni hatte der Verband für 2011 lediglich einen Gesamtgewinn von 4 Mrd. Dollar in Aussicht gestellt. "Ein bisschen mehr Geld als wir dachten", kommentierte der neue Generaldirektor des Verbandes, Tony Tyler, die um immerhin 72 Prozent angehobene Prognose.
Das Frachtvolumen liegt in diesem Jahr leicht unter der Vorhersage vom Juni: bei 46,4 Millionen statt 48,2 Millionen Tonnen, aber immer noch über dem Wert von 2010. Dafür dürften bis Ende Dezember 2,83 Milliarden Passagiere fliegen, 40 Millionen mehr als angenommen. In der Luftfahrt geht erfahrungsgemäß als erstes das Frachtgeschäft zurück, wenn eine Konjunkturschwäche ansteht.
2010 lag der Gewinn der Branche weltweit bei 15,8 Mrd. Dollar. In der Iata sind 230 Fluggesellschaften aus aller Welt organisiert, die zusammen 93 Prozent des Flugverkehrs abwickeln.
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