Mit Stellenstreichungen, Kostensenkungen und Internationalisierung reagiert die EADS-Rüstungssparte Cassidian auf Kürzungen in den Militärbudgets in Europa. Mit dieser Strategie will der Konzern seinen Absatz bis 2020 verdoppeln.
"Wir müssen jetzt dahin, wo die Militärausgaben zweistellig steigen, wie etwa in Indien, Brasilien oder dem Mittleren Osten", sagte Cassidian-Vorstandschef Stefan Zoller. Weil Europas Regierungen nur noch zögerlich bereit seien, Neuentwicklungen in der Rüstung zu finanzieren, müsse Cassidian künftig diese Kosten verstärkt selbst tragen. Das senke den Ertrag.
Europas Staaten sind immer weniger bereit, Großprojekte von Beginn an zu finanzieren, weil sie dann später Kostensteigerungen fürchten. Deshalb verlor Cassidian 2010 einen britischen Auftrag, was den Konzern 20 Mio. Euro kostete. Auf diesen Schwenk seiner Abnehmer reagiert Cassidian mit einer verstärkten Internationalisierung.
Auch andere Rüstungskonzerne erweitern den Kundenkreis. Weil mehrere wichtige Rüstungsanbieter versuchen, zusätzliche Geschäfte außerhalb ihrer Heimatmärkte zu ergattern, treffen sie dort mit ihren Konkurrenten aufeinander. Ein Beispiel ist Indien, wo sich unter anderem
Boeing,
Dassault und
Lockheed Martin um eine Milliardenausschreibung für neue Kampfjets balgen.
Neuaufträge und Ertrag bei Cassidian gingen bereits im vergangenen Jahr zurück: Die Umsatzrendite sank von 8,4 im Jahr 2009 auf nun 7,7 Prozent. Der Auftragseingang lag mit 4,3 Mrd. Euro um 46 Prozent niedriger. Statt früher 2,5 Prozent mussten vier Prozent der Entwicklungskosten selbst finanziert werden - Tendenz steigend.
Zoller präsentierte eine grobe Zehnjahresplanung für Cassidian vor. Der Umsatz soll sich bis 2020 auf rund 12 Mrd. Euro verdoppeln. Dies entspräche einem jährlichen Wachstum von knapp sieben Prozent. Der Cassidian-Umsatz legte 2010 um elf Prozent auf 6 Mrd. Euro. "Der Umsatzanteil durch internationale Kunden, also nicht aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien, soll sich bis 2020 auf 60 Prozent verdoppeln", sagte Zoller.
Der Konzern wird deshalb umgebaut: Von den 6000 Stellen in der Verwaltung sollen 15 Prozent in den Heimatländern gestrichen werden. Im Gegenzug sollen in neuen Märkten Mitarbeiter eingestellt werden. Stark ausgebaut werden soll auch der Bereich Datensicherheit/Cyber Security. Unter dem Strich will Cassidian 600 Stellen in der Verwaltung abbauen und so binnen zwei bis vier Jahren 400 Mio. Euro sparen.

Bis 2015 kann sich Zoller eine zusätzliche industrielle Fertigung in Ländern wie Brasilien, Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Saudi-Arabien vorstellen. "Diese Länder pochen auf einen hohen eigenen Wertschöpfungsanteil", so der Manager. So bietet das Eurofighter-Konsortium, an dem
EADS/Cassidian maßgeblich beteiligt ist, beispielsweise Indien an, ein neues Superradar (E-Scan) zu entwickeln. Zoller sagte auch, dass er weder 2011 noch 2012 mit der Entscheidung der europäischen Staaten über den letzten Bauabschnitt für den Eurofighter rechnet. Zunächst werde abgewartet, welches Kampfflugzeug Indien auswähle.
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