Von „kreativer Bilanzierung“ und „absehbaren Problemen bei der Finanzierung weiterer Solarkraftwerke“ ist in dem Artikel in der heutigen Wirtschaftswoche die Rede – keine neuen Vorwürfe. In einer ersten Reaktion hat der in dem Artikel zitierte Analyst von SES Research sogar seine Kaufempfehlung bestätigt.
Bereits zum dritten Mal berichtet die Wirtschaftswoche (Wiwo) ausführlich über das Unternehmen Solar Millennium. Dabei unterstellt das Magazin dem Anbieter von solarthermischen Großkraftwerken unter anderem „kreative Bilanzierung“. Allerdings beschäftigt sich der Artikel vor allem mit der Vergangenheit, weniger mit den Zukunftsperspektiven des Unternehmens.
„Solar Millennium hat wiederholt Erlöse zunächst über Verkäufe an verbundene Unternehmen generiert“, heißt es in dem Wiwo-Artikel. „Anleger mussten beim Blick in die Bilanz davon ausgehen, dass das Geschäft brummt, obwohl Umsätze teilweise nur innerhalb des Konzerngeflechts erzielt wurden.“ Zudem sieht der Autor des Artikels Finanzierungsprobleme bei den geplanten Mega-Projekten in den USA auf die Gesellschaft zukommen.
In der Tat erschließt sich das Geschäftsmodell von Solar Millennium nicht auf den ersten Blick. Das Unternehmen ist entlang der Wertschöpfungskette solarthermischer Kraftwerke positioniert: Das Angebot reicht von der Projektentwicklung über die Projektfinanzierung bis hin zum Kraftwerksbau. „Bereits vor Baubeginn der Kraftwerke werden so bereits wesentliche Umsätze und Ergebnisse erzielt“, heißt es bei Solar Millennium. Das bedeutet: Im Projektgeschäft erzielt der Konzern bereits in frühen Phasen Einnahmen durch den Verkauf von Anteilen an den Projektgesellschaften.
An der Börse, insbesondere bei Analysten, ist die Bilanzierungspraxis von Solar Millennium bekannt. Karsten von Blumenthal von SES Research hat sich bereits kurz nach Erscheinen des Artikels geäußert: „Die Vorwürfe der Wirtschaftswoche bezüglich der Bilanzierungsmethoden von Solar Millennium sind übertrieben.“ Der Experte wird auch in dem Artikel zitiert, die Aussage steht jedoch in einem falschen Zusammenhang.
Auch dass der Konzern Finanzierungsprobleme hat, ist hinlänglich bekannt. Jedoch gehört dieses Problem wohl eher der Vergangenheit an. Solar Millennium vermeldete kürzlich, dass nach nur einem Monat bereits die Hälfte des Fondsvolumens, das zur Finanzierung eines solartehrmischen Kraftwerks in Andalusien benötigt wird, platziert ist. Beim Kraftwerksbau hat die Gesellschaft zudem Unterstützung vom finanzkräftigen Joint-Venture-Partner
MAN Ferrostaal.
Das Urteil des Analysten lautet weiterhin auf „Kaufen“ mit dem Kursziel 48 Euro: „Jede Kursschwäche ist eine sehr gute Einstiegsgelegenheit“, so von Blumenthal. Und schwach ist der Kurs heute auf alle Fälle: In der Spitze ging es um 17,8 Prozent auf weniger als 36 Euro nach unten. Auch wenn die Vorwürfe und damit auch die Kursreaktion übertrieben scheinen: Bis sich die Lage beruhigt hat, sollten Anleger von Neuengagements erst einmal absehen.
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