Der Solarkonzern leidet unter dem Preisdruck aus Asien und stellt deshalb seine Produktion um. Im Frankfurter Werk sollen künftig nur noch Paneele gebaut werden - die Zellen kommen dann aus Fernost.
Conergy steht vor einem Umbau der Produktion. Der Solarkonzern stellt derzeit in Frankfurt (Oder) sowohl Solarzellen als auch Module her - er macht also aus Wafern die kleinen, blauen Vorprodukte und schaltet sie zusammen zu Solarmodulen. Laut
Conergy ist die Fabrik aber auf dem Weltmarkt zu klein und schreibt wegen heftigen Preisdrucks aus Asien Verluste. Nach FTD-Informationen aus Konzernkreisen sollen künftig nur noch Paneele gebaut werden und die Zellen in Asien eingekauft werden.
Damit gibt es nach der Bilanzsanierung des pleitebedrohten Unternehmens durch Hedge-Fonds und Banken erste Hinweise, wie der Solarkonzern in Zukunft Geld verdienen will. Das Retterkonsortium hatte auf einen Großteil der Schulden verzichtet, sie in Eigenkapital gewandelt und so den Verschuldungsgrad von dramatischen 357 Prozent auf 63 Prozent gesenkt. Dadurch wurde das Konsortium zum Mehrheitsaktionär. "Die finanzielle Restrukturierung war ja schön und gut", sagte ein Aktionär am Rande der Hauptversammlung am Freitag. "Aber jetzt wollen wir endlich wissen, wie es operativ weitergeht."
Auch die Mitarbeiter in der Fabrik in Frankfurt (Oder) forderten Klarheit. Sie demonstrierten vor den Türen des Aktionärstreffens. "Wir haben Angst, dass die unsere Fabrik dichtmachen", sagte ein Arbeiter. Es gebe keine Pläne, die Produktion zu schließen, hieß es in Konzernkreisen. Bei der Umstellung auf Module gehe es zudem nicht um Stellenabbau, sondern um eine bessere Auslastung. So viele Jobs wie möglich sollen bleiben. Eine Modulproduktion in Europa sei sinnvoll für
Conergy, weil die wichtigen Märkte Italien und Frankreich Sonnenstrom aus europäischen Modulen höher fördern.
"Wir sind gezwungen, die Zukunftsfähigkeit unserer Produktion in Frankfurt an der Oder zu überprüfen und gegebenenfalls unser Geschäftsmodell anzupassen", sagte Conergy-Finanzchef Sebastian Biedenkopf auf der Hauptversammlung. Ein Conergy-Sprecher wollte die Umbaupläne nicht kommentieren. Nach FTD-Informationen soll die Entscheidung in den nächsten Wochen getroffen werden. Es gebe keine echte Alternative zu der Umstellung, sagte ein Insider. "Wir werden bei Zellen nie wettbewerbsfähig mit den Chinesen."
Conergy sucht weiter einen neuen Chef. Seit einem Jahr leitet Biedenkopf das Unternehmen interimistisch. "Die Suche hat sich schwierig gestaltet", sagte Aufsichtsratschef Norbert Schmelzle. "Aber in den letzten Wochen hat der Prozess Fortschritte gemacht." Er sei optimistisch, bald einen neuen Chef präsentieren zu können.
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