Die Unternehmensführung setzt nun auf eine freiwillige Sonderprüfung, um dem kritischen Großaktionär Octavian den Wind aus den Segeln nehmen. Dieser hatte dem Aufsichtsrat bei dem mehrmals verschobenen Verkauf von Aktien des taiwanesischen Touchscreen-Herstellers TPK Interessenkonflikte unterstellt und seine Abwahl beantragt. "Wir weisen die Unterstellungen von Octavian entschieden zurück", erklärte Aufsichtsratschef Michael Naschke auf der Hauptversammlung in Bielefeld. Der AR habe im Sinne des Unternehmens und seiner Mitarbeiter agiert. Vielmehr sei der Hedgefonds Octavian auf seinen eigenen Vorteil bedacht, konterte Naschke: "Ziel von Octavian ist, die Macht zu übernehmen und eigene Interessen zu verfolgen".
Balda hatte 2011 mehrfach angekündigt, bis zu 9,5 Millionen TPK-Aktien zu verkaufen und einen großen Teil der Erlöse an die Aktionäre auszuschütten, die seit Jahren keine Dividende erhalten haben. Wegen des einsetzenden Kursverfalls hatte das Management den Verkauf dann immer wieder verschoben. Der Rückzug habe die Balda-Aktionäre 350 Millionen Euro gekostet, monierte Octavian. Der Aufsichtsrat habe sich von persönlichen Interessen des TPK-Großaktionärs Michael Chiang leiten lassen. Octavian-Manager Igor Kuzinar sagte dazu vor den Aktionären: "Es hat den Anschein, dass Chiang den Verkauf blockierte, da er nicht wollte, dass TPK-Aktien in Hände gelangen außerhalb seines Einflusses".
Der Aufsichtsrat weist diesen Vorwurf zurück, hat handwerkliche Fehler aber zugegeben. "Es wurden mehrfach Momente für den Verkauf gewählt, in denen die TPK-Aktien in Marktturbulenzen gewesen sind", hatte AR-Chef Naschke in einem Reuters-Interview im Januar zugegeben. Zudem habe bereits die Ankündigung des Vorstandes, zu verkaufen, den Kurs der TPK gedrückt. Bis zur ordentlichen Hauptversammlung im Mai soll die Sonderprüfung klären, ob sich das Management eines Fehlverhaltens schuldig gemacht hat.
Naschke bekräftigte auf der Hauptversammlung, dass die TPK-Aktien nun in diesem Jahr verkauft werden sollen. Der Erlös soll zum Teil für Zukäufe verwendet und zum Teil als Sonderdividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Oktavian-Vertreter Kuzinar nannte die Ankündigung ein "Märchen, das der Aufsichtsrat ihnen erzählt." Dem Kontrollgremium sei nach den drei Absagen im Vorjahr nicht zu trauen.
Octavian geht mit eigenen Kandidaten für den Aufsichtsrat ins Rennen und schlägt den ehemaligen Adidas-Manager Rene Charles Jäggi, Finanzinvestor Behdad Alizadeh und Octavian-Manager Kuzinar als Aufsichtsratsmitglieder vor. Jaeggi erklärte: "Wir haben jetzt die Chance für einen Neuanfang."
Balda müsse wieder zurück auf die Erfolgsspur und die Corporate Governance verbessert werden.
Balda-Aktien setzen die seit Anfang Februar laufende Abwärtsbewegung fort und stehen am Mittag rund 1,5 Prozent tiefer bei 4,68 Euro.
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