Aktionäre von
Balda blicken heute mit Spannung auf Ergebnisse von der außerordentlichen Hauptversammlung. Es geht um Macht und sehr viel Geld.
Der Handy- und Medizintechnik-Zulieferer
Balda war einst ein Hoffnungsträger an der Börse, ein strahlender
Aufsteiger. Mit der Herstellung von Kunststoffgehäusen für
Mobiltelefone machte das Unternehmen aus dem ostwestfälischen Bad
Oeynhausen glänzende Geschäfte. 2005 gab der Vorstand das Ziel aus,
den Umsatz innerhalb von fünf Jahren auf eine Milliarde Euro zu
steigern - stattdessen gingen die Erlöse dann immer weiter zurück.
Jetzt ist ein Machtkampf der Eigentümer entbrannt.
Hintergrund ist die wertvolle Beteiligung am taiwanesischen
Touchscreen-Hersteller TPK. Rund 400 Millionen Euro ist das
Aktienpaket derzeit wert, heißt es bei
Balda. Ein Verkauf könnte für
die Eigentümer interessant sein. Der US-amerikanische Finanzinvestor
Octavian hat nun eine außerordentliche Hauptversammlung durchgesetzt
und will den dreiköpfigen Aufsichtsrat austauschen.
Im Balda-Aufsichtsrat gebe es einen riesigen Interessenkonflikt,
meint Octavian-Sprecher Lasse Schmid. Sowohl der Vorsitzende Michael
Naschke als auch die beiden Aufsichtsratsmitglieder aus Taiwan seien
ganz dem Lager des taiwanesischen Investors Michael Chiang
zuzurechnen. Das Ehepaar Chiang halte selbst TPK-Anteile im Wert von
700 Millionen Euro, ihr Anteil an
Balda sei dagegen nur 80 Millionen
Euro wert. Daher hätten die Chiangs immer zuerst das Wohl von TPK im
Auge, nicht das der
Balda AG, sagt Schmid.
Heuschrecke Octavian
Der Aufsichtsrat beschuldigt Octavian, ganz nach
Heuschreckenmanier abkassieren zu wollen. Octavian wolle seine
eigenen Leute in den Aufsichtsrat schleusen, die TPK-Anteile schnell
verkaufen, dann eine satte Sonderdividende für die eigenen Anleger
einstreichen und anschließend sofort bei
Balda aussteigen, heißt es
im Brief an die Aktionäre vom 18. Januar.
Das weist Octavian zurück. Man wolle das Unternehmen langfristig
entwickeln. Im Gegenzug wirft Octavian dem Aufsichtsrat vor, den
Verkauf der TPK-Anteile im vergangenen Jahr blockiert zu haben.
Seitdem sei der Marktwert der Anteile deutlich abgesackt - zum
Schaden der Balda-Aktionäre.
Balda-Sprecher Frank Elsner hält dem entgegen, dass die knapp 28
Prozent Balda-Anteile gar nicht Michael Chiang gehören, sondern
dessen Frau. Die taiwanesischen Mitglieder des Aufsichtsrats hätten
zwar unbestritten geschäftliche Beziehungen zu Herrn Chiang, es gebe
aber keinerlei Beweise, dass das Gremium die Interessen der
Balda AG
"sachfremd wahrnehmen" würde.
Anzeige bei der BaFin
Inzwischen hat Octavian "seltsame Kursverläufe" der Balda-Aktie
bei der Finanzaufsicht BaFin angezeigt. Die Behörde muss nun die
Vorwürfe prüfen. Es gehe um auffallend umfangreiche Käufe kurz vor
dem 16. Januar, sagt Schmid. Wer zu diesem Stichtag nicht
Balda-Aktien besaß, darf nicht bei der außerordentlichen
Hauptversammlung mitstimmen.
51 Prozent der Balda-Aktien sind im Streubesitz, knapp 28 Prozent
gehören Frau Chiang über die Firma Yield Return Investments. Octavian
kommt nach eigenen Angaben auf 8 Prozent. Nun wird es am Mittwoch vor
allem auf die Kleinaktionäre ankommen. Für eine Abwahl von
Kontrolleuren ist eine einfache Mehrheit des "anwesenden
Kapitals" notwendig.
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