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Touristikkonzerne Hoffnung auf Aufschwung

[12:43, 11.03.10]


Die Touristikunternehmen sehen den Tiefpunkt der Krise überwunden. Veranstalter nutzen die Marktlage um sich durch Zukäufe zu stärken.


Die großen Reiseveranstalter wollen die unsichere Marktlage nutzen, um zu wachsen. Alltours, mit einem jährlichen Umsatz von zuletzt 1,22 Milliarden Euro die Nummer vier auf dem deutschen Markt, könne für die Expansion "jederzeit" auf mehr als 100 Millionen Euro Gewinnrücklagen zurückgreifen, sagte Geschäftsführer Willi Verhuven am Rande der weltgrößten Reisemesse ITB. Zwar liege der Fokus auf organischem Wachstum, denkbar seien jedoch Übernahmen wie der Ankauf von Hotels sowie der Eintritt in neue Märkte.

Der größere Wettbewerber Thomas Cook gab gestern die Übernahme des kleinen britischen Onlinedienstleisters Essential Travel bekannt, der unter anderem Reiseversicherungen anbietet - und verhandelt nach FTD-Informationen weiter mit Öger Tours. "Wir werden sehr bald wissen, ob wir abschließen oder nicht", sagte Konzernchef Manny Fontenla-Novoa auf einer Investorenveranstaltung - ohne zu bestätigen, dass er mit dem Hamburger Türkeispezialisten über eine Übernahme spricht.

Die Anbieter vertrauen mit ihren Wachstumsplänen auf erste zarte Anzeichen, dass für sie der Tiefpunkt der Krise überwunden ist. "Die Kunden wollen wieder mehr reisen", sagte Alltours-Chef Verhuven - und macht damit auch Wettbewerbern Mut: Sein Unternehmen wirbt stärker als andere Veranstalter um die begehrten Frühbucher, die den Anbietern - im Gegensatz zu den oft noch unentschlossenen Spätbuchern - die Planung erleichtern. Um eine konkrete Prognose für die gesamte Branche abzugeben, sei es jedoch zu früh, sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), Klaus Laepple.

Die Verunsicherung, die in der Branche seit dem Ausbruch der weltweiten Konjunkturkrise herrscht, ist noch immer zu groß. Aus Geldmangel oder aus Angst vor Arbeitslosigkeit verzichteten im vergangenen Jahr viele Deutsche auf ihren Urlaub, sodass mit 38,2 Millionen knapp zwei Prozent weniger verreisten als noch ein Jahr zuvor. Die Kunden zeigten sich dabei auch sparsamer - und gaben erstmals seit mindestens fünf Jahren weniger für Auslandsreisen aus: Mit 59,9 Milliarden Euro lagen die Erlöse 2,6 Prozent unter dem Vorjahr.

Um die Nachfrage wieder anzukurbeln, wollen die Veranstalter daher auch in diesem Jahr die Kunden mit niedrigeren Preisen locken. "Je nach Zielgebiet sind Reisen in diesem Jahr fünf bis acht Prozent günstiger als im Vorjahr", sagte Laepple.

Eine Preisschlacht, die sich auf die ohnehin geringen Renditen der Veranstalter durchschlagen würde, werde es aber nicht geben, erklärte der DRV-Präsident: "Keiner kann sich den Luxus erlauben, auf die durchschnittlich zwei Prozent an Marge zu verzichten", sagte er. "Die Ergebnisse werden 2010 nicht schlechter sein als 2009." Letztlich könnten die Preissenkungen dazu führen, dass die Deutschen länger in Urlaub fahren und so den Umsatz der Unternehmen steigern, so Laepples Vermutung. Im vergangenen Jahr dauerte eine Reise im Schnitt 10,7 Tage.

Tatsächlich haben die Buchungen für die Sommermonate nach einem schwachen Start zuletzt deutlich zugelegt. Das geht aus mehreren Umfragen und Erhebungen hervor. Die Reisevorlieben ähneln dabei denen des vergangenen Jahres: Hoch in der Gunst sind wegen ihrer Berechenbarkeit klassische Pauschalreisen, berichtete der DRV. Rund jede zweite der 75,5 Millionen Urlaubsreisen, die die Deutschen 2009 unternahmen, wurde von Veranstaltern organisiert.

Zudem verreisen die Deutschen weiter gern im eigenen Land: Für das laufende und das kommende Jahr prognostiziert die Deutsche Zentrale für Tourismus ein Wachstum bei den Übernachtungen von bis zu drei Prozentpunkten, sagte die Vorstandsvorsitzende Petra Hedorfer. 2009 hatten die Deutschen fast 40 Prozent ihrer Urlaubsreisen im eigenen Land verbracht.


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© 2010 ftd, © Illustration: ddp, AP

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