Die Pauschalreiseanbieter überwinden den Tiefpunkt der Krise und treiben Konsolidierung voran. Unterdessen beginnt in Berlin die weltgrößte Touristikmesse ITB.
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Wenn alles so läuft, wie Manny Fontenla-Novoa sich das wünscht, kann der Thomas-Cook-Chef die diesjährige ITB mit einem Paukenschlag eröffnen. Morgen beginnt die weltgrößte Reisemesse in Berlin. Zugleich wird der Manager in London seine Investoren über seine langfristige Strategie informieren. Einigt sich Fontenla-Novoa in letzter Minute doch noch mit dem Türkeispezialisten Öger Tours, könnte er seinen Anlegern endlich seinen lange angekündigten Zukauf präsentieren.
Das Feilschen der Briten um Öger Tours ist das prominenteste Beispiel für die aktuelle Stimmung in der Branche. Die Zeichen mehren sich, dass die Touristikbranche das Schlimmste überstanden hat. Nachdem die Veranstalter 2009 vorausschauend weniger Flüge und Hotels gebucht hatten, um nicht auf den Restposten sitzen zu bleiben, stockt Europas Marktführer
TUI in einigen Märkten die Kapazitäten jetzt wieder auf. Nach einem schwachen Jahresstart verbessere sich die Nachfrage "in allen wichtigen Quellmärkten", sagte TUI-Chef Michael Frenzel jüngst.
Anders als 2009 trauen sich die Veranstalter auf der ITB nun wieder, langfristige Pläne zu schmieden - und auch die Konsolidierung des zersplitterten deutschen Marktes voranzutreiben. Schließlich liegen die Renditen in Ländern, in denen
TUI und Thomas Cook nach Fusionen und Übernahmen den Markt beherrschen, höher. In Großbritannien und Irland etwa schaffte
TUI im abgelaufenen Geschäftsjahr eine Gewinnmarge von 5,6 Prozent, in Deutschland hingegen waren es lediglich 1,6 Prozent.

Thomas Cook liebäugelt mit "zwei bis drei kleineren Zukäufen", sagte Fontenla-Novoa. Bei
TUI und Rewe halten die Manager die Augen ebenfalls offen. Organisches Wachstum stünde zwar im Vordergrund, heißt es. Attraktive Optionen würden aber geprüft und gegebenenfalls genutzt.
Interessant sind für die Veranstalter vor allem Anbieter, die auf eine bestimmte Urlaubsregion spezialisiert oder in der technischen Abwicklung besonders fit sind.
Öger Tours: Mit dem Türkeispezialisten, der jährlich rund 700 Millionen Euro umsetzt, verhandelt Thomas Cook seit Monaten. Bis Ende März sollte die Übernahme abgeschlossen werden. Die Gespräche gerieten jedoch ins Stocken. Firmengründer Vural Öger verlangte einen höheren Preis, als Europas drittgrößter Reisekonzern zu zahlen bereit war. Die gestiegene Nachfrage nach Türkeireisen stärkte seine Position. Die Erlöse liegen für die Sommersaison rund 22 Prozent über dem Vorjahr. Insidern zufolge sind die Gespräche weit gediehen. Zum aktuellen Stand wollten sich beide Unternehmen nicht äußern.
Vtours: Außerhalb der Branche kennt kaum jemand den kleinen Anbieter aus dem bayerischen Aschaffenburg. Das Unternehmen ist jedoch führend im "Dynamic Packaging", dem Bündeln von Hotelzimmern mit Flügen zu tagesaktuellen Preisen. Diese Technik gewinnt im Internetzeitalter an Bedeutung. Mit Rewe arbeitet Vtours bereits zusammen. Interessant ist die Firma, die 2008/09 70 Millionen Euro umsetzte und profitabel arbeiten soll, aber vor allem für die
TUI, die technisch hinterherhinkt. Einem Sprecher zufolge habe man "derzeit keine Absichten, Vtours zu kaufen".
FTI Touristik: Ähnlich wie Vtours ist auch das Münchner Unternehmen im Bereich Dynamic Packaging stark. Es setzt jährlich rund 937 Millionen Euro um und hatte die Kapazitäten zuletzt aufgestockt, was zu Spekulationen führte, es hübsche sich für einen Verkauf auf. Die Krise hat der Mittelständler jedoch gut gemeistert. Die Eigner, FTI-Chef Dietmar Gunz und seine wichtigsten Manager, wollen daher dem Vernehmen nach derzeit nicht verkaufen.
Studiosus: Thomas Cook bietet in dem margenstarken Studienreisesegment keine eigenen Produkte an. Auch Rewe will sich hier verstärken. Die Eigentümerfamilie Kubsch will Europas größten Anbieter, der zuletzt knapp 218 Millionen Euro erlöste, jedoch behalten, wie Michael Frese, Chef von Rewes Bausteintouristik, feststellen musste.
Nicko Tours: ist der größte deutsche Spezialist für Flussreisen. Auch in dieser Sparte, wie bei den Kreuzfahrten, hat Thomas Cook Nachholbedarf. Mit einem Umsatz von 72,5 Millionen Euro wäre die Stuttgarter Firma zwar bezahlbar. Angesichts eines Erlöszuwachses von 30 Prozent dürfte Inhaber und Geschäftsführer Ekkehard Beller aber an seinen Anteilen festhalten wollen.


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