Das zivile Werftengeschäft erscheint dem Stahlkonzern nicht mehr lukrativ. Nach dem Scheitern einer Verschmelzung des militärischen Teils zu einer "maritimen
EADS" soll der Bau von Luxusjachten an einen Finanzinvestor gehen.
ThyssenKrupp
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Der Stahl- und Industriegüterkonzern
ThyssenKrupp verhandelt mit einem Finanzinvestor über den Verkauf des zivilen Teils der Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss.
Eine Absichtserklärung sei bereits unterzeichnet, sagte eine Konzernsprecherin am Dienstag. Den Namen des Interessenten wollte sie nicht nennen. Er kommt dem Vernehmen nach aus Großbritannien. Offiziell spricht das Unternehmen aber nur von einem europäischen Investor. Auch zu einem Zeitplan machte sie keine Angaben. Zum zivilen Teil von Blohm+Voss zählen der Bau von Luxusjachten, ein Reparatur- und ein Maschinenbausektor.
ThyssenKrupp wollte den Großteil von Blohm+Voss eigentlich an den arabischen Schiffbauer Abu Dhabi Mar verkaufen. Anfang Juli erklärte der Konzern die zweijährigen Verhandlungen dann aber für gescheitert. Den militärischen Teil seiner Werften will
ThyssenKrupp zunächst in eigener Regie weiterentwickeln.
Das Unternehmen hatte am Montag in einer Betriebsversammlung die Belegschaft über die Gespräche mit dem Investor informiert. In einem Brief an die Mitarbeiter, aus dem die Tageszeitung "Die Welt" zitierte, versicherte das Werften-Management, dass es "sogenannte Wertsteigerungen nach Heuschreckenmanier durch Personalabbau oder sonstiges Aushöhlen von Unternehmen" bei Blohm+Voss nicht geben werde.
Ziel des Investors sei es, das Unternehmen so zu stabilisieren, dass es wieder für andere Erwerber interessant wird, "die zum gegenwärtigen Zeitpunkt das unternehmerische Risiko eines neuen Jachtauftrages nicht tragen wollen". "Ein späterer Weiterverkauf an diesen Interessentenkreis sollte uns daher nicht schrecken", hieß es. Blohm+Voss ist stark davon abhängig, dass teure Luxusjachten bestellt werden. Von solchen Bestellungen gingen zuletzt immer weniger ein.
Anfang August hat der Konzern Pläne für einen militärischen Werftenverbund mit der französischen Werftengruppe DCNS gestoppt. Das frühzeitige Bekanntwerden der Initiative hatte die Auftraggeber ThyssenKrupps offenbar verunsichert. Den Franzosen wird weiterhin Interesse an der Schaffung einer solchen "
EADS der Meere" nachgesagt. Dafür sieht der Konzern allerdings nach eigenen Angaben keine Chance.
Werften sind derzeit durch den volatilen Stahlpreis besonders hart getroffen. Seit Anfang 2010 stiegen die Preise für Erz und Kohle um jeweils rund 300 Prozent. Stahlkonzerne können mit ihren Lieferanten außerdem nur noch kurze Vertragslaufzeiten vereinbaren. Diese geben sie wie die Preiserhöhungen nahezu vollständig an ihre Kunden weiter. Weil die Nachfrage zuletzt größer war als das Angebot, ist ihre Verhandlungsposition gut.
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