Das neue Präparat ist der größte Hoffnungsträger des deutschen Pharmakonzerns. Doch die US-Gesundheitsbehörde hegt Zweifel am Schlaganfall-Medikament Xarelto.
Bayer gibt sich zuversichtlich - im Gegensatz zu den Anlegern.
Eine Mitteilung der US-Gesundheitsbehörde FDA zum neuen Schlaganfall-Medikament Xarelto hat die
Bayer-Aktie am Dienstag in den Keller gedrückt. Die Papiere gaben zeitweise 13,4 Prozent nach.
Die FDA teilte mit, sie habe an
Bayer und seinen US-Partner
Johnson & Johnson noch weitere Fragen zum Zulassungsantrag für Xarelto. Das Medikament zeige im Vergleich zum Konkurrenzprodukt Warfarin keinen Vorteil, hieß es weiter. Xarelto ist einer der größten Hoffnungsträger des Leverkusener Konzerns. Solche Gerinnungshemmer werden hauptsächlich als Medikament zur Vorbeugung von Schlaganfällen eingesetzt.
Bei der US-Gesundheitsbehörde tritt am Donnerstag ein unabhängiges Medizinergremium zusammen, um über den Zulassungsantrag der beiden Unternehmen zu entscheiden. Im Vorfeld veröffentlichte die Behörde Unterlagen, in denen sie die Experten unter anderem aufforderte, zu prüfen, wie wirksam das Mittel ist und ob dies für eine Zulassung auch ausreicht. Außerdem sollten sie diskutieren, ob die große zulassungsrelevante klinische Studie mit dem Namen Rocket AF angemessen war. In ihrer Mitteilung wies die FDA zudem darauf hin, dass das Blutungsrisiko bei dem Präparat ein wichtiges Sicherheitsthema ist.
Der deutsche Pharmahersteller selbst gab sich zuversichtlich. Die von der FDA veröffentlichten Dokumente gäben die persönliche Sicht der FDA-Experten wieder und nicht notwendigerweise die Meinung der Behörde selbst. Der Konzern baut nach eigenen Angaben auf die veröffentlichten klinischen Daten zu dem neuen Präparat aus der Rocket-AF-Studie. "Wir haben nach wie vor Vertrauen in die Rocket-AF-Daten", sagte eine Bayer-Sprecherin.
4 Mrd. Euro leichter
Der zeitweilige Absturz von
Bayer um 13,4 Prozent war der größte Kurseinbruch für die Aktien des Pharma- und Chemiekonzerns seit Oktober 2008. Mit 35,36 Euro notierten die Titel zudem so niedrig wie seit Juli 2009 nicht mehr. Laut Experten wurde damit eine Marktkapitalisierung von 4 Mrd. Euro weggewischt. Ein Händler sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er halte den Kurssturz jedoch für etwas übertrieben. Die Aktien des US-Partners
Johnson & Johnson verloren lediglich 1,6 Prozent.
Der US-Konzern
Pfizer im Verbund mit Bristol-Myers Squibb,
Bayer im Verbund mit
Johnson & Johnson und auch der deutsche Rivale Boehringer Ingelheim liefern sich einen harten Wettbewerb um die beste Position im US-Markt für die neue Generation von Gerinnungshemmern. Analysten trauen den modernen Pillen zur Schlaganfall-Vorbeugung viel zu: Auf 10 bis 20 Mrd. Dollar wird zusammengenommen das jährliche Umsatzpotenzial geschätzt.
Die Pille Pradaxa von Boehringer Ingelheim ist in den USA bereits zum Schutz vor Schlaganfällen erhältlich. Auch in Europa hat das Familienunternehmen die Zulassung erhalten. Alle Anbieter setzen darauf, das Jahrzehnte alte Warfarin als Standardmittel abzulösen.
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