Der Rekord an Emissionen schafft jedoch auch neue Probleme für den Markt, die Flut neuer Papiere zu verarbeiten: Die Kursentwicklung der Börsenneulinge im Anschluss an die Erstnotiz verlief in Hongkong bislang im Schnitt eher schwach, und auch der Aktienmarkt in Hongkong tritt inzwischen seit mehreren Monaten nur noch auf der Stelle.
Der Markt für Börsengänge ist für Banken wie Anleger gleichermaßen lukrativ: Anleger wittern die Chance auf Zeichnungsgewinne, und Banken lockt die Aussicht auf üppige Provisionen für Platzierungen von Aktien. Sie betragen bis zu zehn Prozent des Emissionsvolumens.
Insgesamt spielten die 20 größten Börsengänge in der Sonderverwaltungszone Chinas nach einem Schlussspurt im Dezember umgerechnet 24,1 Mrd. $ ein – noch per Ende November waren es erst 17,7 Mrd. $ gewesen. 11 dieser 20 Neuemissionen hinken aber seit ihrer Emission der generellen Marktentwicklung um im Schnitt 15 Prozent hinterher.
Laut Finanzkreisen war die Zahl der Flops in diesem Jahr ungewöhnlich hoch, weil die Banken die Gunst der Stunde eines günstigen Emissionsklimas unbedingt ausnutzen wollten. Die starken Kapitalzuflüsse aus dem Ausland hätten Banken dazu verleitet, sehr hohe Preisvorstellungen durchzusetzen. Hingegen wären in den Vorjahren vor allem große und bekannte Firmen mit starker Marktstellung an den Markt gegangen – etwa Größen wie China Railway Construction. „Einige Investoren haben sich dieses Jahr bei Geschäften die Finger verbrannt und eine Lektion gelernt“, sagte George Taylor, Analyst der US-Großbank Morgan Stanley. Die Konsortialführer seien bei einigen Geschäften nicht streng genug gewesen.
Zu den Flops zählt beispielsweise der Hersteller von Aluminiumprodukten China Zhongwang. 1,3 Mrd. $ nahm das chinesische Unternehmen im Mai beim Börsengang ein, der Ausgabepreis betrug seinerzeit 7 Hongkong-Dollar. Mittlerweile wird die Aktie mit 5,66 Hongkong-Dollar gehandelt – ein Verlust von rund 20 Prozent. Der Hang Seng Index hat im selben Zeitraum 24 Prozent zugelegt.
Auch von der zuletzt freundlichen Börsenstimmung hat sich der Index abgekoppelt und schloss gestern bei 21 480 Punkten – sechs Prozent unter dem Anfang November erzielten Jahreshoch. Seit September bewegt sich der Hang Seng Index damit nur noch seitwärts.
Für 2010 sagen die meisten Strategen Hongkong zwar ein weiteres Erfolgsjahr für Erstemissionen voraus. Der unabhängige Ökonom Andy Xie hingegen prognostiziert der Börse in Hongkong einen drastischen Einbruch in den kommenden Monaten. Dies werde mit einer deutlich geringeren Nachfrage nach frischen Aktien einhergehen, so Xie. „Normalerweise folgt in Hongkong auf ein großes Jahr für Erstemissionen ein mageres Jahr“, sagte er.
Als Risiko sehen Analysten die Möglichkeit, dass Hongkong seine Kreditpolitik verschärft. In diesem Fall könnte der Geldstrom, der bislang den Aktienmarkt überflutet hat, genauso schnell versiegen, wie er gekommen ist, so die Analysten. Ebenso gefährlich wäre es, wenn Chinas Regulierer den Firmen des Landes den Zugang zur Börse Hongkong erschweren. 80 Prozent der Erstemissionen waren in diesem Jahr chinesische Unternehmen, populär waren dabei vor allem auch Zeitnotizen von Firmen, die bereits in Festlandchina notiert sind.
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