Zurzeit bereiteten sich viele Unternehmen auf eine Erstemission ihrer Aktien vor, weil sie für geplante Investitionen mehr Eigenkapital benötigten, sagte der Geschäftsführer der Frankfurter Wertpapierbörse, Rainer Riess, am Donnerstag in Berlin. Einer von dem Marktbetreiber in Auftrag gegebenen Studie zufolge steigt zudem auch langfristig der Druck auf viele Unternehmen, ihre Eigenkapitalbasis zu verbessern.
2009 schaffte kaum ein Unternehmen den Sprung aufs Parkett. Allerdings habe es mehr als 70 Kapitalerhöhungen gegeben, wobei sich das Gesamtvolumen auf 16 Mrd. Euro verdoppelt habe, sagte Riess. Das zeige, dass die Firmen in der Krise viel Geld gebraucht hätten. Eine konkrete Prognose zur Zahl der 2010 erwarteten Börsengänge nannte Riess nicht.
Der Münchner Ökonom Christoph Kaserer sagte, sein gemeinsam mit der Börse berechneter Stimmungs-Indikator zeige im Januar nach oben. Für mehr Börsengänge spreche, dass sich der Aktienmarkt erhole und zugleich die Schwankungen nachließen. Zudem nähmen die Banken wegen der Finanzkrise ihre Rolle als Kreditfinanzierer für die Wirtschaft nur eingeschränkt wahr. „Eigenkapital wird attraktiver, weil Fremdkapital unattraktiver wird“, sagte Studien-Co-Autor Ulrich Lenz vom Unternehmensberater Ernst & Young.
Zurzeit erwögen nur 40 Prozent der Banken eine Ausweitung ihrer Kreditvergabe, zudem verschlechterten sich die Kreditkonditionen. Zugleich planten 33 Prozent der Unternehmen 2010 höhere Investitionen. Durch gesunkene Renditen und Forderungsausfälle wegen Insolvenzen habe sich ihre Innenfinanzierungskraft jedoch verschlechtert.
Der Studie zufolge wollen deshalb mehr als 60 Prozent der Unternehmen ihre Finanzierungsstrategie ändern. Zur Eigenkapitalstärkung setzen sie vor allem auf die Aufnahme stiller Beteiligungen oder eines strategischen Investors, den Verkauf von Randaktivitäten, aber auch auf den Börsengang.
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