Belastend sei auch, dass der dänische Energiekonzern Scan Energy den angepeilten Emissionspreis für seine Aktien gestern zum zweiten Mal binnen einer Woche senken musste und die Zeichnungsfrist verlängerte. Die Dänen wollen am Freitag an die Börse.
„Mit weiteren Börsengängen ist nun frühestens wieder ab Ende Februar zu rechnen – vorausgesetzt natürlich, der Aktienmarkt bleibt weiterhin stabil“, erklärte ein Investmentbanker. Erst dann hätten die Unternehmen ihre Bilanzen für 2009 fertig, mit denen sie sich Investoren präsentieren können.
Deutschland festigt derzeit seine Sonderrolle im globalen Markt für Börsengänge: Während der Emissionsmarkt in Schwellenländern bereits im Frühjahr und in den USA im Spätsommer an Schwung gewonnen hatte, steht in Deutschland 2009 allein der Minibörsengang von Vtion in den Büchern. Die Aktien des chinesischen Anbieters von Datenkartenlösungen für den Internetzugang kamen im November zu 10,75 Euro an den Markt und brachten den Zeichnern wenig Freude: Sie schlossen am Freitag mit 8,99 Euro. Weltweit gingen jedoch allein im dritten Quartal 149 Unternehmen an die Börse und sammelten dabei rund 26 Mrd. Euro ein.
Am Donnerstag hatte die Hochtief-Tochter keine zwölf Stunden vor der geplanten Erstnotiz den Börsengang abgesagt. Damit sorgte der Konzern für großes Erstaunen. Er wollte bis zu 1 Mrd. Euro erlösen. Dem prominent besetzt Konsortium aus Deutscher Bank,
Goldman Sachs und
Citigroup in der Führung sowie acht weiteren Banken war es zuvor nicht gelungen, die Preisvorstellung von 24 bis 29 Euro je Aktie bei Investoren durchzusetzen.
Nach FTD-Informationen war die schwache Nachfrage vor allem auf eine wenig transparente Herleitung des so genannten inneren Werts von 1,5 Mrd. Euro der Hochtief-Concessions-Beteiligungen im Infrastrukturbereich zurückzuführen. „Uns wurden für jede Flughafenbeteiligung andere Kennziffern und bizarre Hochrechnungen künftiger Cashflows präsentiert. Angesichts dieser intransparenten Herleitung habe ich im Vergleich zu anderen Infrastrukturwerten einen höheren Abschlag auf den inneren Wert bei dem Preis der Aktien erwartet. Stattdessen wollte
Hochtief aber einen niedrigeren Abschlag durchsetzen“, sagt der Leiter des Portfoliomanagements einer großen deutschen Fondsgesellschaft.
Auf den per Ende Juni ausgewiesenen inneren Wert der Beteiligungen sollte
Hochtief Concessions am unteren Ende der Zeichnungsspanne mit einem Abschlag von 22 Prozent an die Börse gehen. Vergleichbare börsennotierte Infrastrukturkonzerne werden jedoch nach Berechnungen von
Credit Suisse derzeit mit Abschlägen von 25 und bis 45 Prozent auf ihren inneren Wert gehandelt.
Einen anderen Investor habe zudem die harte Linie gestört, mit der
Hochtief und die Konsortialbanken von Anfang an aufgetreten seien. „Es war wie in einem Mikadospiel: Da wollte sich bis zum Schluss niemand bewegen – weder
Hochtief mit seinen Preisvorstellungen noch die Emissionsbanken, indem sie ausscheren, obwohl die Nachfrage von Anfang an schwach war“, wundert sich der Fondsmanager . Eine Rolle habe laut Finanzkreisen paradoxerweise auch das bislang sehr gute Börsenjahr 2009 gespielt – seit Jahresbeginn legte der Dax 21, seit dem Kurstief im März gar 59 Prozent zu.
Diesen Artikel bookmarken bei...