Ein weiterer Neuling
drängt Finanzkreisen zufolge noch in diesem Jahr an die
Frankfurter Börse. Neben der Flughafen-Sparte des Baukonzerns
Hochtief treibt auch der zweitgrößte deutsche
Kabelnetzbetreiber Unitymedia die Vorbereitungen für
eine Erstnotiz voran, sagten mehrere mit den Plänen vertraute
Personen Reuters am Dienstag.
Die Eigentümer BC Partners und
Apollo Management wollten bis Mitte November über einen
Börsengang (IPO) entscheiden. "Vieles deutet auf grünes Licht
hin", sagte ein Insider. Die Bewertungen vergleichbarer
Kabelfirmen hätten sich in den vergangenen Wochen erholt.
Angedacht sei die Platzierung eines Minderheitsanteils, die
bei Investoren noch im Dezember über die Bühne gehen könnte.
Beim Volumen werde rund eine halbe Milliarde Euro angepeilt. Die
rund zweiwöchige Werbetour bei Investoren könne am 16. November
starten. Die beiden Finanzinvestoren BC Partners und Apollo
hatten die Vorbereitungen für einen Börsengang von Unitymedia
vor Jahren schon einmal vorangetrieben, dann aber in letzter
Minute abgesagt. Daher müsse man aber nicht bei null anfangen,
sagte einer der Beteiligten.
Die Beteiligungshäuser halten zusammen rund zwei Drittel und
sollten nach dem IPO weiter eine Mehrheit haben. Die Eigentümer
und Unitymedia äußerten sich nicht dazu. Konzernchef Parm Sandhu
hatte einen Börsengang in einem Reuters-Interview vor kurzem als
attraktive Option bezeichnet. Unitymedia hat 6,2 Millionen
Kabel-Abonnenten in Nordrhein-Westfalen und Hessen.
Die kräftige Kurserholung an den Aktienmärkten macht einen
Börsengang für Firmen wieder attraktiv, nachdem in der
Finanzkrise praktisch keine Neulinge den Sprung aufs Parkett
gewagt hatten. In den USA und Asien gibt es schon wieder
Mega-Platzierungen. Auch in Deutschland arbeiten Banken an den
ersten größeren Börsengängen seit zwei Jahren. Die meisten
dieser IPOs sind aber für das erste Halbjahr 2010 geplant - wie
etwa der des Chemikalienhändlers Brenntag, der ebenfalls dem
Finanzinvestor BC Partners gehört. Ein Börsengang noch in diesem
Jahr hätte Bankern zufolge daher den Vorteil, dass Unitymedia
nicht mit vielen anderen Börsenneulingen um das Geld der
Investoren konkurrieren muss. Allerdings steht in Deutschland
möglicherweise auch der IPO der Hochtief-Sparte Concessions an.
Dieser wäre vermutlich auch größer als der von Unitymedia, die
Eigner hoffen auf Erlöse von unter einer Milliarde Euro. Eine
Entscheidung wird noch im November erwartet.
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