Neuemissionen

Zweiter Anlauf Prime Office erzwingt Börsengang

[12:06, 29.06.11]


Die Immobilienfirma Prime Office nimmt schon eine Woche nach dem gescheiterten ersten Versuch einen zweiten Anlauf auf das Börsenparkett. Das Unternehmen lockt Investoren mit einem deutlich gesengten Ausgabepreis.


Während einer neu angesetzten Zeichnungsfrist, die ausschließlich heute läuft, sollen sich Investoren die Aktien des Unternehmens zu einem Preis von 6,20 Euro sichern können – nicht wie zunächst geplant für einen Preis zwischen 7 und 9,50 Euro. Der erste Handelstag der Aktie ist für Freitag geplant, teilte Prime Office gestern mit.

Der schnelle erneute Versuch und der große Preisnachlass, den Prime Office nun einräumt, wirft die Frage auf, warum es das Unternehmen mit dem Börsengang plötzlich so eilig hat. Noch in der vergangenen Woche begründete Prime Office den kurzfristig abgeblasenen Börsengang mit der unsicheren Marktlage und nannte dafür vor allem die Griechenland-Krise als Grund. Eine Woche später steht Griechenland noch immer vor den gleichen dramatischen Problemen. Nach Aussagen eines Sprechers von Prime Office sei das Umfeld aber nun „stabil“, und man sehe dem Börsengang „zuversichtlich“ entgegen.

Der plötzliche Sinneswandel verdeutlicht, dass es bei der Absage des Börsengangs in Wirklichkeit wohl nie um das Marktumfeld ging. Schon in der vergangenen Woche sagten Banker, die mit den Vorgängen vertraut sind, der FTD, dass Investoren das Angebot von Prime Office schlichtweg als zu teuer ablehnten. Prime Office habe einfach mit zu vielen hausgemachten Problemen zu kämpfen.

Erstens belasten drei Immobilien in Stuttgart, Düsseldorf und Frankfurt, für die das Unternehmen noch keine neuen Mietverträge präsentieren kann. Der Vertrag für das Bürohaus in Stuttgart läuft laut Börsenprospekt bis Ende dieses Jahres. Der Vertrag in Frankfurt endet Ende 2012, der in Düsseldorf im März 2013. Problematisch ist, dass die drei Gebäude 25 Prozent der Gesamtmietfläche des Unternehmens ausmachen. Prime Office besitzt 14 Büroimmobilien in ganz Deutschland, darunter zum Beispiel den Hauptsitz der „Süddeutschen Zeitung“ in München und die T-Online-Zentrale in Darmstadt.

Als zweites Problem kommt hinzu, dass Prime Office auf einem Berg Schulden sitzt, die das Unternehmen mit den Einnahmen aus dem Börsengang abbauen will. Insgesamt plant Prime Office, mit dem Geld rund 190 Mio. Euro an Krediten abzulösen. Ursprünglich wollte Prime Office mit dem frischen Geld auch in Bestände oder neue Bürotürme investieren. Doch zu den neuen Konditionen scheint es unrealistisch, dass für Investitionen noch etwas übrig bleibt. Eigentlich wollte Prime Office mit der Preisspanne zwischen 7 und 9,50 Euro pro Aktie etwa 337 Mio. Euro einnehmen. Nun rechnet das Unternehmen nach eigenen Angaben mit Einnahmen von rund 203 Mio. Euro.

„Es ist deshalb wirklich fraglich, ob Prime Office ein gutes Investment ist. Die sammeln viel Geld ein, es wird aber kaum investiert“, sagte ein Branchenkenner.


 

© 2011 ftd

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