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Warum fallen Anleihekurse, wenn die Zinsen steigen ?

[16:20, 26.07.06]


Wir haben es alle schon erlebt. Kaum hat ein Anleger bei seiner Bank ein Festgeld auf drei Monate zum Zinssatz von 3,25 Prozent abgeschlossen, ändern sich die Marktverhältnisse. Die europäische Zentralbank erhöht evtl. erneut die Zinsen und die Bank des Anlegers nimmt ihren Satz für das Dreimonatsgeld auf 3,75 Prozent hoch. Da hadert der Anleger mit sich, weil er nicht noch einige Tage gewartet hat.

Besitzt der Anleger eine entsprechend ausgestattete Anleihe, für die an der Börse täglich ein Kurs gemacht wird, so würde sich ein solcher Minderzins gegenüber den augenblicklichen Marktsätzen sofort in einem entsprechenden Abfall des Kurses kenntlich machen. Dazu ein Zahlenbeispiel: Ein Anleger kauft eine vierprozentige Anleihe mit zehnjähriger Laufzeit zum Preis von 100 Prozent, da der Markt in diesem Augenblick bei dieser Zinsmarke liegt. Steigt nun der Marktzins z.B auf fünf Prozent an, wirft die zuvor von ihm gekaufte Anleihe ein Prozent weniger ab. Seine Rendite ist also unterdurchschnittlich, was den Kurs seines Papieres sinken lässt. Und zwar so weit sinken lässt, bis die Rendite seines Papieres auf Basis des gesunkenen Kurses auch wieder eine Rendite auf Höhe des Marktsatzes von fünf Prozent errechnen lässt. Denn Rendite heißt Ertrag pro Jahr auf 100 Euro angelegtes Kapital.

Im Einzelnen sieht die grobe Rechnung, ohne fiskalische und Zinseszins-Feinheiten, wie folgt aus: In etwa müsste die vierprozentige Anleihe, von Sonderfaktoren abgesehen, auf etwa 93 Prozent fallen. Auf dieser Basis errechnet sich bei dem Jahreskupon von vier Prozent eine laufende Rendite von 4,30 Prozent (4 x 100 dividiert durch 93). Der unterstellte Marktzins von fünf Prozent ist also noch nicht erreicht. Doch nun ist zu berücksichtigen, dass die Anleihe am Ende der Laufzeit zu 100 Prozent zurückgezahlt wird. Der Neu-Anleger macht also einen Kursgewinn von 93 bis 100, also 7 Prozentpunkte. Das wäre, grob gerechnet, für jedes der zehn Jahre Laufzeit 0,7 Prozent. Zusammen mit seiner laufenden Rendite von 4,30 Prozent errechnet sich also dann in etwa die aktuelle Marktrendite von fünf Prozent.

Die Rechnung ist, so merkt der Verband der Pfandbriefbanken e.V. (vdp) an, nicht ganz einfach, und im Prinzip auch schon wieder nicht exakt. Denn steuerlich gesehen kann der Anleger den Kursgewinn von 7 Punkten am Ende steuerfrei vereinnahmen, wohingegen er den laufenden Kupon, sofern er über den Freibeträgen liegt, versteuern muss. Hier wurden also etwas Äpfel mit Birnen – zur Vereinfachung – in einen Topf geworfen. Bleibt anzumerken, dass auch Festzinsanlagen ohne Kurs, z.B. langjährige Festgelder, diesem Zinsänderungsrisiko unterliegen. Nur fällt es nicht so ins Auge, da der Kurs bei Anleihen, der Zinsnachteile optisch kenntlich macht, fehlt. Gelegentlich wird dies als Vorteil hingestellt, was allerdings eher ein Etikettenschwindel als ein Sachargument ist.

Bruno Hidding

© 2006 boerse-online.de


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