Das magische Dreieck, die enge Verzahnung der Faktoren Liquidität, Rentabilität
und Sicherheit, gilt bei allen Geldanlagen:
Anleihen, Aktien, Rohstoffe usw. Das lässt sich mit einigen Basis-Fragen am besten klar machen.
Schätzt der Anleger eine börsennotierte, täglich veräußerbare Anleihe mehr als eine
nicht notierte Emission, die er bis zum Laufzeitende in evtl. fünf Jahren behalten muss?
Eine dumme Frage, natürlich schätzt er das jeden Tag veräußerbare Papier mehr.
Denn was kann während der fünfjährigen Laufzeit nicht alles passieren.
Die Welt geht nicht unter, aber evtl. der Emittent der Anleihe.
Die wesentlichste Feststellung ist jedoch eine andere. Die nicht notierte, während der
Laufzeit illiquide Anleihe schätzt der Anleger weniger; die kauft er folglich nur, wenn
sie ihm ein deutliches mehr an Zins bietet als die liquide Anleihe. Fazit: Der Mangel
eines Papiers bei einer dieser Eigenschaften muss an anderer Stelle ausgeglichen
werden. In diesem Falle muss also die mangelnde Liquidität der Anleihe durch eine
höhere Rendite ausgebügelt werden.
Im Detail führt diese Wertschätzung auch dazu, dass eine zehnjährige Anleihe
mehr Zinsen bringt als der einjährige Titel usw. Ähnlich schnell fällt die Antwort auf die Frage,
ob ein Anleger eine fünfprozentige Anleihe lieber von einem guten Emittenten
oder einem wackeligen Unternehmen ins Depot nimmt. Natürlich von dem guten Emittenten.
Wenn das wackelige Unternehmen Geld haben will, muss es folglich deutlich mehr an Zinsen bieten,
quasi eine Zitterprämie für den Anleger. Dabei muss der Zinsvorsprung zur Höhe des vom
Anleger gesehenen Risikos passen.
Die von internationalen Agenturen veröffentlichten Schulnoten für die Qualität
internationaler Emittenten, die so genannten Ratings, helfen dem Anleger bei dieser Risikoabwägung.
Hohe Renditen gibt es folglich dort, wo es an der Sicherheit, also der Qualität des
Emittenten oder evtl. auch der Anleihewährung mangelt; wenn der Anleger sich also
nicht unbedingt sicher sein kann, dass er am Laufzeitende sein Geld zurück erhält
und während der Laufzeit auch die Anleihewährung nicht gegenüber dem Euro an
Boden verliert. Und wenn dann evtl. auch noch eine schlechte oder keine Liquidität
für das Papiers hinzu kommt, dann muss der Renditevorsprung gegenüber stets
liquiden und sicheren Bundesanleihen oder den stets einen Schnaps besser
rentierenden Pfandbriefen schon beträchtlich sein, um die genannten Nachteile in
Kauf zu nehmen bzw. auszugleichen.
Der Anleger hat wie immer die Qual der Wahl. Mehr Risiko bringt mehr Rendite. Er
muss entscheiden, welches Risiko, welche Anleihe zu ihm passt. Immer erste Klasse
sind Pfandbriefe und Bundesanleihen, mit der zwangsläufigen Folge, dass hier
Sicherheit, aber nicht der höchste Zins winkt.
Bruno Hidding