Und solche Zinsveränderungen halten naturgemäß die Kurse von Anleihen und Pfandbriefen auch in ständiger Bewegung. Steigen die Zinsen, fallen die Anleihekurse, fallen die Zinsen, steigen die Anleihekurse.
Früher begebene Anleihen mit einem höheren Zinskupon als derzeit üblich, notieren folglich mit ihrem Kurs mehr oder weniger deutlich über 100 Prozent. Ein Beispiel: Im Jahre 2002 begab der Bund eine zehnjährige Anleihe mit einem Kupon von fünf Prozent. Da der Zins für zehnjährige Bundesanleihen derzeit bei gut vier Prozent liegt, notiert folglich diese alte Bundesanleihe mit zirka 106 Prozent deutlich über pari. Auf dieser Basis errechnet sich eine Rendite für das Papier von zirka 3,87 Prozent. Wer dieses Papier jetzt zu 106 Prozent kauft, erhält zwar den hohen jährlichen Kupon von fünf Prozent; doch wird das Papier im Jahre 2012 nur zu 100 Prozent zurückgezahlt, so das der Anleger das Aufgeld von sechs Prozentpunkten, pro Jahr also etwa ein Prozent, verliert.
Steuerlich müssen vor allem Privatanleger beachten, dass der hohe Zins von fünf Prozent – oberhalb der Freibeträge – voll versteuert werden muss, wohingegen das verlorene Agio in Höhe von sechs Prozentpunkten steuerlich nicht geltend gemacht werden kann.
Gerade Privatanleger suchen folglich oft nach dem umgekehrten Falle, also einem früher begebenen Papier mit einem niedrigeren Kupon als derzeit üblich. Denn diese Papiere müssten mehr oder weniger unter pari notieren mit einem dann beachtenswerten steuerlichen Vorteil. Der Anleger versteuert – oberhalb der Freibeträge – nur den niedrigen Kupon, wohingegen er das Disagio, also die Differenz zwischen seinem Kaufkurs unter pari und der späteren Rückzahlung zu pari steuerfrei vereinnahmen kann.
Das Dumme ist nur, dass es derartige Papiere mit deutlich unter dem jetzigen Niveau liegenden Kupons und dementsprechend hohem Disagio, also einem Kurs deutlich unter pari, kaum gibt. Selbst auf dem riesigen Gebiet der Pfandbriefe tun sich Anleger mit dem Disagio-Picken schwer. Das liegt einfach und allein daran, dass bis vor rund einem Jahr die Zinsen über lange Jahre nahezu ständig auf Talfahrt waren und erst seit einem Jahr eine leichte Aufwärtstendenz zu beobachten ist. Außerdem hat die Anzahl der pfiffigen und steueroptimierenden Privatanleger stark zugenommen, was dann naturgemäß auch Auswirkungen auf die Kursgestaltung der entsprechenden Papiere hat.