Eigentlich sollte es das nicht geben, dass nämlich ein Anleger sich z.B. eine
zehn Jahre laufende Anleihe kauft und dann bis zur Rückzahlung nicht mehr
hinschaut. Denn während dieser zehn Jahre kann auch bei einer Anleihe erster
Qualität, z.B. einem Pfandbrief, sehr viel passieren. Und das sollte der Anleger
schon im eigenen Interesse zur Kenntnis nehmen und daraus seine Schlüsse
ziehen bzw. evtl. seine Papiere veräußern und in andere Titel tauschen.
Szenario 1: Die Kapitalmarktzinsen steigen. Das hat zur Folge, dass die
Papiere des Anlegers, die ja noch den niedrigeren Zins von gestern abwerfen,
im Kurs fallen. Und zwar so weit fallen, bis sich auf Basis des ermäßigten
Kurses dann eine Rendite in Höhe des augenblicklichen Marktzinses errechnet.
Wenn der Anleger mit diesem Zinsanstieg gerechnet hat, wäre er klug beraten
gewesen, sich erst einmal kurz laufende Papiere zu kaufen, weil diese infolge
ihrer baldigen Rückzahlung zu 100 Prozent nur in geringem Maße diesem
Zinsanstiegs- bzw. Kursrückgangs-Risiko unterliegen.
Ist später der Anleger dann der Meinung, dass die Zinsen nun nicht mehr weiter steigen, dann ist das
für ihn der Startschuss, um nun in länger laufende und normalerweise höher
rentierende Anleihen oder Pfandbriefe umzuschichten. Per Saldo hat er dann
für evtl. ein oder zwei Jahre einen etwas niedrigeren Kurzfristzins vereinnahmt,
kann dann jedoch, ohne Kursverluste erlitten zu haben, auf dem gestiegenen
Zinsniveau in besser verzinsliche langlaufende Titel umsteigen.
Szenario 2: Der Emittent seiner Papiere schwächelt, seine Bonität wird
allgemein schlechter eingeschätzt, sein Rating sinkt evtl. vom A- auf ein B-
Level. Das hat dann ähnliche Folgen für den Kurs der Anleihen wie oben bei
einem allgemeinen Zinsanstieg. Die Kurse der Papiere sinken so weit, bis die
Rendite sich auf das Niveau von Anleihen dieser niedrigeren Emittentenbonität
erhöht hat.
Gut wäre es also gewesen, der Anleger hätte die Verschlechterung
dieser Emittentenbonität im Frühstudium erkannt und wäre rechtzeitig ohne
große Einbußen in Papiere eines nach wie vor guten Emittenten umgestiegen.
Die im Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) zusammengeschlossenen
Institute weisen ständig darauf hin, dass der Pfandbrief immer ein Spitzenrating
aufweist, der Anleger also auch ohne ständige Kontrolle keine bösen
Überraschungen erlebt.
Szenario 3: Stabile kurze Zinsen – steigende lange Zinsen. Das kann
resultieren aus der Furcht der Anleger, dass langfristig die Inflationsrate steigt,
längerfristig also ihre Zinseinnahmen deutlich entwertet werden. Das führt
dazu, das die Anleger (Geldgeber) einen Inflationsmalus in ihre
Zinsforderungen einbauen, also höhere Zinsen für die Bereitschaft fordern, ihr
Geld so langfristig aus der Hand zu geben. Die Folgen sind wie bei Szenario 1,
die langlaufenden Anleihen erleiden Kursverluste.
Vorrausschauende Anleger steigen rechtzeitig in Kurzläufer um, zumindest wenn sie Verschiebungen
größeren Ausmaßes erwarten.
Bruno Hidding, vdp
Diesen Artikel bookmarken bei...