Aktienanalysten kennt jeder Aktienanleger und ihre Aktienanalysen bieten
ihm die Grundlage für seine mühsam erarbeiteten Anlageentscheidungen. Aber
welcher Anleger in Zinstiteln kennt Kreditanalysten und verwendet die
Arbeiten dieser Spezialisten für die Steuerung seines Anleihe-Portfolios?
Die Profis schon, Privatanleger wohl kaum, dabei halten sich die (meisten)
Kreditanalysten, da umfassender arbeitend, für wichtiger und besser als die
Aktienanalysten.
Wie bei den Aktienanalysten geht es auch bei den Kreditanalysten um Abläufe
in der Zukunft. Aber die Schwerpunkte der Kreditanalysten liegen anders.
Natürlich beobachten sie auch die Konjunktur, legen dabei aber etwas mehr
Betonung auf die zukünftige Investitionsneigung und die sich daraus
abzuleitende Kreditnachfrage und sich evtl. abzeichnende
Inflationsgefahren. Natürlich schauen sie auch auf die Entwicklung der
Ertragslage der Unternehmen; aber weniger unter dem Aspekt der
Dividendenfähigkeit und des gerechten bzw. vertretbaren
Kurs/Gewinn-Verhältnisses als vielmehr unter dem Aspekt, dass nur ein auch
in Zukunft gesundes Unternehmen ein guter, ein sicherer Schuldner ist. Ein
Aspekt, der in Bezug auf die Pfandbriefe der im Verband deutscher
Pfandbriefbanken (vdp) zusammengeschlossenen Emittenten noch nie in Frage
stand. Denn in mehr als 200 Jahren deutscher Pfandbrief ist bei diesem
inzwischen internationalen Markenartikel noch nie etwas schief gegangen.
Aber damit fängt die Arbeit der Kreditanalysten erst an. Neben der
Untersuchung von Bonitäten klopfen sie die volkswirtschaftlichen
Zinseinflussfaktoren ab und suchen daraus Erkenntnisse für die
Zinsentwicklung und auch die Zinsstrukturen, also die Verschiebung der
Zinssätze in den verschiedenen Laufzeiten zu gewinnen. Denn daraus lässt
sich, wenn richtig prognostiziert wird, Geld bzw. Performance machen.
Manche unternehmenspolitische Weichenstellungen wie z.B. Aktienrückkäufe
sehen Kreditanalysten mit ambivalenten Augen, da dadurch die
Eigenkapitalbasis vermindert und das Emittenten-Risiko erhöht wird. Nur
logisch, dass Pfandbriefbanken derartige Aktienrückkäufe nie in Betracht
ziehen. Auch in Sachen Ausschüttungspolitik empfinden Kreditanalysten etwas
anders; ihr Petitum läuft sicher eher in Richtung Eigenkapitalanreicherung
denn zu einer Ausschüttungsmaximierung.
All dies soll aufzeigen, dass es doch gar nicht so einfach ist, die
richtigen Anleihen zu kaufen bzw. ein risikoüberwachtes, zukunftsträchtiges
Anleihe-Portfolio zu strukturieren und dann auch entsprechend zu steuern.
Allein während der Laufzeit einer Anleihe kann ungeheuer viel passieren,
beim Emittenten und an den Märkten. Je länger die Laufzeit, um so mehr.
Jeder Privatanleger tut also gut daran, sich auch im Anleihe-Bereich einer
qualifizierten Beratung zu versichern.
Bruno Hidding, vdp
Diesen Artikel bookmarken bei...