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Die Analyse von Anleihen fordert den ganzen Mann

[10:07, 08.03.07]


Aktienanalysten kennt jeder Aktienanleger und ihre Aktienanalysen bieten ihm die Grundlage für seine mühsam erarbeiteten Anlageentscheidungen. Aber welcher Anleger in Zinstiteln kennt Kreditanalysten und verwendet die Arbeiten dieser Spezialisten für die Steuerung seines Anleihe-Portfolios? Die Profis schon, Privatanleger wohl kaum, dabei halten sich die (meisten) Kreditanalysten, da umfassender arbeitend, für wichtiger und besser als die Aktienanalysten.

Wie bei den Aktienanalysten geht es auch bei den Kreditanalysten um Abläufe in der Zukunft. Aber die Schwerpunkte der Kreditanalysten liegen anders. Natürlich beobachten sie auch die Konjunktur, legen dabei aber etwas mehr Betonung auf die zukünftige Investitionsneigung und die sich daraus abzuleitende Kreditnachfrage und sich evtl. abzeichnende Inflationsgefahren. Natürlich schauen sie auch auf die Entwicklung der Ertragslage der Unternehmen; aber weniger unter dem Aspekt der Dividendenfähigkeit und des gerechten bzw. vertretbaren Kurs/Gewinn-Verhältnisses als vielmehr unter dem Aspekt, dass nur ein auch in Zukunft gesundes Unternehmen ein guter, ein sicherer Schuldner ist. Ein Aspekt, der in Bezug auf die Pfandbriefe der im Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) zusammengeschlossenen Emittenten noch nie in Frage stand. Denn in mehr als 200 Jahren deutscher Pfandbrief ist bei diesem inzwischen internationalen Markenartikel noch nie etwas schief gegangen.

Aber damit fängt die Arbeit der Kreditanalysten erst an. Neben der Untersuchung von Bonitäten klopfen sie die volkswirtschaftlichen Zinseinflussfaktoren ab und suchen daraus Erkenntnisse für die Zinsentwicklung und auch die Zinsstrukturen, also die Verschiebung der Zinssätze in den verschiedenen Laufzeiten zu gewinnen. Denn daraus lässt sich, wenn richtig prognostiziert wird, Geld bzw. Performance machen. Manche unternehmenspolitische Weichenstellungen wie z.B. Aktienrückkäufe sehen Kreditanalysten mit ambivalenten Augen, da dadurch die Eigenkapitalbasis vermindert und das Emittenten-Risiko erhöht wird. Nur logisch, dass Pfandbriefbanken derartige Aktienrückkäufe nie in Betracht ziehen. Auch in Sachen Ausschüttungspolitik empfinden Kreditanalysten etwas anders; ihr Petitum läuft sicher eher in Richtung Eigenkapitalanreicherung denn zu einer Ausschüttungsmaximierung.

All dies soll aufzeigen, dass es doch gar nicht so einfach ist, die richtigen Anleihen zu kaufen bzw. ein risikoüberwachtes, zukunftsträchtiges Anleihe-Portfolio zu strukturieren und dann auch entsprechend zu steuern. Allein während der Laufzeit einer Anleihe kann ungeheuer viel passieren, beim Emittenten und an den Märkten. Je länger die Laufzeit, um so mehr. Jeder Privatanleger tut also gut daran, sich auch im Anleihe-Bereich einer qualifizierten Beratung zu versichern.

Bruno Hidding, vdp

© 2007 boerse-online.de

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