Jens-Oliver Niklasch, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, glaubt nicht, dass
Portugal wie geplant 2013 an den Kapitalmarkt zurückkehren kann. Im Gespräch erklärt er, woran das Land krankt.
Herr Niklasch, die Renditen auf
portugiesische Staatsanleihen
liegen jenseits anderer Krisenländer,
nimmt man Griechenland aus.
Woran krankt Portugal?
Jens-Oliver Niklasch: Portugal hat innerhalb
Europas einen nicht zu unterbietenden
Standortnachteil mit seiner
Randlage. Das Land leidet unter einer
gravierenden Wachstumsschwäche
und hat keine industrielle Basis. Es
gibt wenig außer Fischerei, Landwirtschaft
und Tourismus. Aus einem
Agrarstaat wird so schnell kein Silicon
Valley.
Alle drei großen Ratingagenturen
bewerten portugiesische Anleihen
inzwischen als Ramsch. Bleibt
Portugal damit vom Kapitalmarkt
abgeschnitten?
Niklasch: Das Land ist aktuell etwas
aus dem Blickfeld geraten. Sobald
aber die Verhandlungen über eine
Umschuldung Griechenlands abgeschlossen
sind, wird man sich die
Frage stellen: Was ist mit Portugal?
Die Renditen zeigen, dass der Markt
trotz der Sparanstrengungen und Reformbemühungen
gegen Portugal votiert.
Wegen des Ramschstatus dürfen
viele Investoren die Anleihen aus regulatorischen
Gründen nicht mehr
halten. Vor diesem Hintergrund ist es
wenig wahrscheinlich, dass das Land
2013 schon wieder kapitalmarktfähig
ist, wie dies im europäischen Hilfsprogramm
vorgesehen ist.
Irland hatte im Sommer ähnlich
hohe Renditen wie Portugal aktuell,
der Wert hat sich inzwischen
aber etwa halbiert. Was haben die
Iren besser gemacht?
Niklasch: Irland hat eine Wachstumsgeschichte.
Das Land hat sich mit seinen
Banken kräftig verhoben, der Sektor
war zu groß für so ein kleines Land.
Die Wirtschaft ist allerdings wettbewerbsfähig.
Es besteht also Hoffnung,
dass die Iren aus der Krise wieder herauskommen.
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