Experten warnen Privatanleger davor, in der Hoffnung auf hohe
Zugewinne jetzt in griechische Staatsanleihen einzusteigen. Gernot Griebling, Leiter
Anleiheanalyse bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), sagte dem Anlegermagazin
,Börse Online’ (Ausgabe 02/2012, EVT 5. Januar): „Die Spekulation mit griechischen
Staatsanleihen ist zu großen Teilen ein Glücksspiel. Nur hochspekulative Investoren können
sich da herantrauen.“ Auch Großinvestoren wie Frank Hagenstein vom Sparkassen-
Fondsanbieter Deka trauen Hellas-Bonds längst nicht mehr über den Weg. „Das Thema ist aus
meiner Sicht passé“, sagte er gegenüber ,Börse Online’.
Viele Privatanleger hoffen derzeit auf das Gegenteil. Daten der Börse Stuttgart legen nahe,
dass vor allem sie derzeit mit griechischen Staatsanleihen spekulieren. Bundesanleihen
ausgenommen, entfällt aktuell ein Großteil der Umsätze mit Euro-Staatsanleihen auf die
griechische Anleihe mit Fälligkeit am 20. März dieses Jahres. Das Kalkül der Investoren:
Einigen sich der Weltbankenverband IIF und die griechische Regierung auf eine Umschuldung,
würde dies voraussichtlich nur für die Geldhäuser hohe Verluste auf den Nennwert der
Anleihen bedeuten. Kleininvestoren dagegen könnten von dem Schnitt unberührt bleiben und
auf die volle Rückzahlung der Anleihe hoffen.
Geht die Rechnung auf, winken Anlegern starke Zugewinne. Wer sich zum aktuellen Kurs die
Märzanleihe ins Depot legt, könnte dann einen Kursgewinn von mehr als 100 Prozent
verbuchen. Das Risiko aber ist hoch. Scheitert der Schuldendeal, wäre völlig unsicher, wie viel
Prozent ihres Einsatzes Anleger zurückerhielten. Dann nämlich wären voraussichtlich alle
Anleger vom Ausfall betroffen, auch Privatinvestoren. Wie hoch der Verlust sein könnte, lässt
sich nur aus den Rückzahlungswerten früherer Pleiten ableiten. Beim Staatsbankrott Russlands 1998 mussten Investoren auf mehr als 60 Prozent ihrer Forderungen verzichten.
Bondexperte
Griebling geht im Falle Griechenlands von einem noch stärkeren Abschlag auf den Nennwert
der Anleihen aus. „Der Verlust könnte bis zu 75 Prozent betragen. Mit noch höheren Einbußen
ist zu rechnen, falls Griechenland aus der Währungsunion ausscheiden sollte.“ Selbst Anleger,
die zu aktuellen niedrigen Kursen in hellenische Bonds eingestiegen sind, würden dann einen
Großteil ihres Einsatzes verlieren.
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