Papiere von südeuropäischen Telefonkonzernen werden wegen der Euro-Krise gemieden. Für Fachleute ist das Misstrauen übertrieben. Eine Gelegenheit für risikofreudige Anleger.
Richtig verstehen kann Christian Heger die Sache nicht. Dabei hat der Anlagechef von
HSBC Deutschland viel Erfahrung, seit 28 Jahren ist er im Geschäft. "Das Risiko für Anleiheinvestoren ist durchaus tragbar", zeigt er sich überzeugt. Der Grund für Hegers Erstaunen: Seit Ausbruch der Schuldenkrise sind nicht nur die Kurse von Staatsanleihen aus den angeschlagenen Euro-Ländern eingebrochen. Das Gleiche gilt für viele Unternehmensanleihen - besonders für Papiere von Telefonkonzernen.
Die Kurse der Anleihen des spanischen Anbieters
Telefónica beispielsweise sind stark gesunken. Und die Papiere des griechischen Telekomkonzerns OTE haben in den vergangenen Monaten sogar einen regelrechten Absturz erlebt, sie notieren derzeit an den Börsen weit unterhalb ihres Nennwerts. Trotz einiger Unwägbarkeiten sind sich Fachleute wie Heger sicher: Das Misstrauen der Investoren ist übertrieben.
Für Anleger mit Mut sind darum Bonds südeuropäischer Telefonkonzerne die bessere Alternative zu Staatsanleihen aus den Krisenländern. "Der Telekomsektor lässt sich nicht auslagern", sagt der HSBC-Experte. Die Wahrscheinlichkeit von Unternehmenspleiten in dem Segment sei eher gering.
Die meisten Anleger sind davon nicht überzeugt: Zwar billigen sie
Telefónica und OTE mehr Stärke zu als Spanien und Griechenland. Ein OTE-Papier mit Laufzeit bis August 2013 beispielsweise notiert bei einem Kurs von knapp 72 Prozent, eine griechische Staatsanleihe mit gleicher Laufzeit lediglich bei rund 25 Prozent. Nichtsdestotrotz spiegelt sich im Kurs der OTE-Anleihe ebenfalls große Sorge vor einem Ausfall wider.
Zu Unrecht, sagt Bettina Deuscher von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Natürlich versteht sie die Nervosität: Schließlich ist der griechische Staat mit zehn Prozent an OTE beteiligt, zudem vergeben alle Ratingagenturen Noten auf Ramschniveau. Viel wichtiger aber ist ein anderer Anteilseigner - die
Deutsche Telekom. Sie hält 40 Prozent an OTE. "Wir gehen davon aus, dass die Telekom im Bedarfsfall OTE unterstützen würde", sagt Deuscher.
Telekom-Chef René Obermann jedenfalls hat sich zu der Beteiligung bekannt: "Wir sind dort für viele Jahre engagiert", sagte er im vorigen Sommer. Natürlich würde eine Staatspleite der Hellenen OTE stark zusetzen, auch die Wirtschaftsschwäche des Landes geht an dem Konzern nicht spurlos vorüber.
Zuletzt brach der Gewinn um fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein. Anleger brauchen also eiserne Nerven. Geht alles gut, werden sie dafür jedoch mit einem hohen Ertrag belohnt: Die Anleihe mit Fälligkeit im August des kommenden Jahres bringt beim aktuellen Kurs eine jährliche Rendite von fast 31 Prozent ein.
Die Skepsis der Investoren gegenüber
Telefónica ist bei Weitem nicht so groß. Dennoch muss der spanische Konzern für eine Anleihe mit Fälligkeit im Februar 2013 rund einen Prozentpunkt mehr Rendite bieten als die
Deutsche Telekom für eine vergleichbare Schuldverschreibung. Ein Risikoaufschlag, der nach Ansicht von Janis Heck, Analyst der WGZ Bank, hoch ausfällt. Schließlich kann
Telefónica das derzeitige Absatzminus in Spanien durchaus verkraften: Den Großteil des Gewinns erzielt der Anbieter nämlich fern der Heimat; allein das Lateinamerika-Geschäft steuert fast 50 Prozent bei.
"Auch auf mittlere Sicht sollte der Konzern keine Probleme bei der Rückzahlung der Anleihen haben", sagt Heck. Die meisten Bonds sind nur in einer Stückelung von 50.000 Euro erhältlich, Ausnahmen sind die Anleihen mit Fälligkeit im Februar 2013 sowie im Februar 2016; letztere notiert allerdings in Dollar.

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