Investoren fassen wieder Vertrauen in
Europas Banken. Die Risikoaufschläge
auf Anleihen des Finanzsektors
sanken in den vergangenen Wochen
deutlich. Die Prämien für Kreditausfallversicherungen
auf europäische
Institute gingen ebenfalls zurück
(siehe Grafik). Analysten sehen
wieder Kaufgelegenheiten bei europäischen
Bankanleihen. So empfehlen
die Experten der LBBW Anlegern, Finanzpapieren
ein größeres Gewicht in
den Portfolios einzuräumen.
Die Furcht vor Finanzierungsproblemen
von Staaten wie Italien und
Spanien hatte die Risikoaufschläge
für Bankanleihen sowohl aus Peripherie-
als auch aus Kernländern wie
Frankreich in die Höhe getrieben.
Ende vergangenen Jahres stellte dann
die Europäische Zentralbank (EZB)
den Geldhäusern über eine dreijährige
Einlage 500 Mrd. Euro an Kapital zur
Verfügung. Dies dämpfte die grassierende
Furcht vor einem Bankenkollaps
auf dem Kontinent. „Die technische
Unterstützung durch die EZB ist
eine der Ursachen für die Rally bei
Bankanleihen“, sagt Rolf Schäffer,
Leiter der Kreditstrategie der LBBW.
Hinzu kämen die Ergebnisse des EUGipfels.
„Der beschlossene Fiskalpakt
ist der erste glaubhafte Schritt in die
richtige Richtung.“ Schließlich deuteten
auch die aktuellen US-Konjunkturzahlen
und Frühindikatoren auf
eine Entspannung hin. „Es sieht nicht
mehr nach dem totalen Absturz der
Weltwirtschaft aus“, so Schäffer.
In der Folge leihen sich die Finanzhäuser
wieder untereinander Geld.
„Die Emissionstätigkeit im Januar hat
stark zugenommen“, sagt Schäffer.
Das Volumen sei so hoch wie seit sechs
Monaten nicht mehr. „Zuvor war der
Markt praktisch tot.“ Sogar italienische
und spanische Institute wie zuletzt
die BBVA platzieren wieder
Bonds bei Anlegern. „Investoren öffnen
sich den Peripherieländern, da sie
auf der Suche nach Rendite sind“, sagt
Schäffer. Im Schnitt bieten Bankanleihen
mit fünf Jahren Laufzeit aktuell
fast einen Prozentpunkt mehr Zins als
Unternehmensanleihen und drei Prozentpunkte
mehr als Staatspapiere.
Ein Ende der Rally fürchtet LBBWStratege
Schäffer vorerst nicht. Zumal
die EZB erneut Geld in den Markt pumpen
will und Finanzhäuser weitere
500 Mrd. Euro bei der Notenbank
kurzfristig zu niedrigen Zinsen parken.
Dieses Geld dürften die Häuser nach
und nach abziehen und am Markt anlegen.
Eine Zuspitzung der Probleme
in Griechenland oder Portugal könnte
aber zu erneuten Verwerfungen führen,
warnt Schäffer. „Der zentrale
Punkt ist jedoch, dass Spanien und Italien
stabilisiert werden können.“
/
Empfehlen