Es ist nichts faul im Staate Dänemarks
– zu dieser Einschätzung kam
Starinvestor George Soros vor wenigen
Jahren. Damals stellte er fest, dass
das Hypothekensystem des Landes
jede Krise besser überstehen könnte
als die Systeme anderer Länder, in denen
Hypotheken gekauft und verkauft
werden. So wie es jetzt aussieht, hat
der Milliardär recht behalten.
Der Nykredit-Mortgage-Bond-Index,
der die größten und am meisten
gehandelten Hypothekenpapiere abbildet,
hat am 2. Januar einen Rekordwert
erreicht und sich seitdem kaum
von der Stelle bewegt. Der Anstieg
vollzog sich in den letzten Jahren in
einem Umfeld, in dem Immobilienmärkte
einstürzten, das Bankensystem
vor dem Zusammenbruch stand
und eine Euro-Schuldenkrise aufzog.
Seit 2007 haben dänische Eigenheimhypotheken
29 Prozent an Wert
gewonnen. Die wichtigsten dänischen
Hypothekenanleihen konnten seit
dem Zusammenbruch des US-Subprime-
Markts 2007 fast so viel zulegen
wie in den fünf Jahren davor.
Die Nachfrage nach den dänischen
Hypothekenpapieren bleibt stark, obwohl
die Eigenheimpreise fallen, sich
die Erholung der dänischen Wirtschaft
abschwächt und die Arbeitslosigkeit
im Land zunimmt. Dänemark
gehört zum Kreis der zwölf Länder,
deren Bonität von Standard & Poor’s,
Fitch und Moody’s mit der Bestnote
„AAA“ bewertet wird. Und daran wird
sich nach Angaben von S&P und Fitch
so bald auch nichts ändern.
Der dänische Hypothekenmarkt
unterscheidet sich in mehreren Kernpunkten
von denen anderer Länder.
Wenn jemand eine Hypothek aufnimmt,
wird diese umgehend in ein
Wertpapier mit demselben Nennwert
umgewandelt. Der Kreditnehmer
kann die Hypothek ablösen, indem er
den Kredit abbezahlt oder Wertpapiere
mit demselben Nennwert zum
Marktpreis kauft. Das gesamte Kreditrisiko
liegt damit beim ursprünglichen
Kreditgeber, etwa für einen Zahlungsausfall.
Für Wertpapierinvestoren
gibt es hingegen kaum Risiken.
Der dänische Hypothekenmarkt
funktioniert unter sehr besonderen
Bedingungen, während der Rest der
Welt strauchelt, sagt Alan Boyce, ehemals
Anleihehändler bei Soros Fund
Management und inzwischen Chef
bei Absalon Project, einem Gemeinschaftsunternehmen
mit VP Securities
zum Marketing dänischer Bonds.
Soros hatte sich 2005 mit VP Securities
zusammengetan, um ein ähnliches
Hypothekenmodell in Mexiko
aufzubauen. Er setzt sich auch dafür
ein, dass das dänische Modell in den
Vereinigten Staaten eingeführt wird.
Nach Ansicht von Boyce sind die
Papiere auch so beliebt, weil sie liquide
und leicht handelbar sind, Hypothekenbanken
könnten derzeit nicht genug
Papiere in den Markt geben, um
die Nachfrage zu decken. Doch nicht
nur Investoren profitieren von den Besonderheiten
des Hypothekenmarkts,
sondern auch Privatleute. Laut Karsten
Beltoft von der Danske Bank machen
Zwangsversteigerungen nur 0,2 Prozent
am Häusermarkt aus.
Die fallenden Häuserpreise seien
aber eine Gefahr für das bisher funktionierende
Hypothekensystem,
warnt Henrik Henriksen, Chefinvestmentstratege
beim Pensionsfonds
PFA Pension. Nach Schätzungen der
Regierung dürften die Häuserpreise
bis 2013 noch einmal um 13 Prozent
sinken und das Minus seit 2007 auf
25 Prozent bringen. Henriksen ist
dennoch der Ansicht, dass der dänische
Immobilienmarkt von fallenden
Zinsen und der Nachfrage nach den
Anleihen gestützt wird.
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